24.02.2026
Lieblich ist zurück – und hat Zukunft
Trocken war lange das Maß aller Dinge. Doch auf der ProWein 2026 in Düsseldorf zeichnet sich eine stille Gegenbewegung ab: liebliche und restsüße Weine erleben ein selbstbewusstes Comeback. Ein Rheinhessisches Weingut, Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand von Rheinhessenwein, will genau das sichtbar machen.
Auslöser für den Perspektivwechsel war ausgerechnet ein Zukunftswein: Muscaris, ein aromatischer PIWI-Neuzugang, restsüß ausgebaut. Der Jungfernertrag 2024 war überraschend schnell ausverkauft. „Offenbar gibt es eine große Sehnsucht nach Weinen mit Trinkfluss, Aromatik und Balance – nicht nach Askese“, so der Winzer.
Hartnäckige Vorurteile gegenüber lieblichem Wein – etwa Kopfschmerzen oder hoher Schwefelgehalt – halten einer differenzierten Betrachtung kaum stand. „Restsüße ist kein Qualitätsmakel, sondern ein Stilmittel“, betont das Weingut. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Zucker, Säure und Aromatik – und die individuelle Verträglichkeit.
Gerade Rebsorten wie Muscaris, Gelber Muskateller, Scheurebe oder Kanzler, ergänzt durch feinherbe Rieslinge sowie restsüße Dornfelder und Portugieser, zeigen, wie zeitgemäß diese Stilistik heute interpretiert werden kann – vom Qualitätswein bis zur Auslese.
Mit ihrem Auftritt auf der ProWein plädiert das Weingut für mehr Vielfalt im Glas: Lieblich darf wieder sichtbar sein – hochwertig, präzise und ohne Rechtfertigungsdruck. Oder, wie der Winzer es formuliert: „Jeder sollte das trinken, was ihm schmeckt.“