Zum Hauptinhalt springen

08.12.2025

STEITZ BIO

Jahrgangsbericht 2025

Der Jahresbeginn 2025 fühlte sich an wie ein tiefes Durchatmen der Natur. Der Boden war gut mit Feuchtigkeit versorgt, ein Geschenk nach den trockenen Jahren zuvor. Der Winter zeigte sich mild, brachte aber genügend frostige Tage mit, um wichtige Arbeiten im Weinberg zu ermöglichen. Diese nutzen wir und brachten unser Gemisch aus Trestern, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle aus, nicht als klassischen „Dünger“, sondern als Nahrung für ein lebendiges Ökosystem. Denn ein gesunder, aktiver Boden ist die Grundlage für im Sinne der regenerativen Landwirtschaft vitale Reben und damit für konzentrierte, aromatische Trauben.

 

WINTER – EIN SANFTER SCHNITT

Unsere besten Weinberge sind inzwischen mit standortspezifischen Rebklonen bepflanzt, sorgfältig und mit Blick in die Zukunft ausgewählt. Natürlich möchten wir, dass diese besonderen Reben auch den kommenden Generationen erhalten bleiben. Alte Reben tragen schließlich die konzentriertesten Trauben. Daher arbeiten wir weg von klassischen Paradigmen nach dem System des sanften Rebschnitts: mit der Rebe und nicht gegen sie.

 

FRÜHJAHR – EIN SCHNELLER START INS WACHSTUM

Mitte April erwachten die Reben. Der Austrieb ist jedes Jahr ein vertrautes Ritual und doch jedes Mal neu. Frostsorgen begleiteten uns wie üblich, doch dieses Jahr blieben Spätfröste aus – ein spürbares Aufatmen. Ende April allerdings zeigte sich, dass die Winterfeuchte bereits nachließ; seit Januar war zu wenig Regen gefallen. Traditionell wird der Boden im Sommer offengehalten, um Wasser zu sparen. Wir betrachten das ganzheitlicher. Neben der bereits begrünten Fahrgasse säen wir im Frühjahr auch die Nachbarzeile ein. Die Trockenheit machte es der Begrünung schwer, doch verzichten würden wir darauf niemals. Denn sie ist weit mehr als ein grüner Teppich: Sie kühlt, speichert Wasser, schafft Lebensraum.

 

Christian sagt oft: „Zwischen einem offenen Boden und einem regenerativ begrünten liegen bis zu 30 Grad Unterschied. Das bewirkt einiges.“

 

Mai und Juni sind die klassischen Monate für intensive Handarbeit. 2025 brachte der Mai warmes und trockenes Wetter, die Vegetation schritt schnell voran, und unser Team arbeitete im Eiltempo am Ausbrechen der Triebe. Der Juni brachte Regen jedoch kaum genug, um die Trockenheit zu bremsen. In dieser Phase walzten wir die Begrünung bewusst um. Der beschattete, kühlere Boden „atmete“ förmlich auf. Momente wie diese zeigen, wie sehr Landwirtschaft aus Erfahrung und Intuition lebt.

 

SOMMER – DIE ZEIT DER FEINARBEIT

Der Juli forderte uns besonders. Jetzt ging es um die Details, die unsere Herkunftsweine prägen: Trauben teilen, sorgfältig entblättern, alles in Handarbeit. Einige unserer Mitarbeiter waren bereits in ihrer Heimat, der Sommerurlaub in Rumänien gehört für viele fest dazu. So übernahm die Familie mehr denn je. Die Abende in der Heerkretz, die Sonne im Rücken, die Stille der Gemarkung – das sind die Momente, für die man Winzer wird.

 

Warum Trauben teilen und von Hand entblättern? 2025 brachte eine gute Blüte, und wir steuerten auf einen nassen Spätsommer zu. Die Trauben waren kompakter als sonst, und Verdichtung ist der größte Feind gesunder Reife. Also entschieden wir uns bewusst: Wir halbieren. Und wir entblättern behutsam, nur auf der schattigen Seite, um Luft hineinzulassen, ohne Sonnenbrand zu riskieren. Ende Juli dann: Landregen. Wahrer, stiller, gleichmäßiger Regen – 80 Liter an einem Tag, und jeder Tropfen ein Segen. Die Weinberge saugten ihn auf wie ein trockener Schwamm.

 

Hier zeigte sich einmal mehr der Wert unserer regenerativen Bewirtschaftung: Ein lebendiger Boden kann aufnehmen, speichern, weitergeben.

 

August: Ruhe vor dem Sturm. Anfang August erfolgte der letzte Pflanzenschutz. Dann hieß es beobachten, atmen, Geduld haben. Die Reben standen in schöner Balance: genug Wasser, genug Wärme – alles, was sie brauchten.

 

HERBST – WENN DIE NATUR DAS TEMPO VORGIBT

Im September wollten wir eigentlich um den 10. herum beginnen. Eigentlich. Doch die Natur hatte andere Pläne. Die Reife schritt in einem Tempo voran, das selbst erfahrene Winzer staunen ließ. Wasser, Wärme und der bewusst reduzierte Traubenbehang wirkten wie ein Beschleuniger. So starteten wir bereits am 6. September mit dem Chardonnay am Goldenen Horn in Siefersheim mit kleinem Team, aber starker familiärer Unterstützung. Schnell wurde klar: 2025 würde keine klassische Ernteabfolge kennen. Alles kam anders. Wir planten täglich neu. Wir lasen, wenn der perfekte Moment da war – nicht, wenn der Kalender es vorsah.

 

Unser Team zeigte beeindruckende Energie: lange Tage, höchste Konzentration, und das Wissen, jetzt die Qualität zu formen, die später im Glas strahlt. Am 14. September überraschte uns unvorhergesagter Regen. 15 Liter, die in Kombination mit warmen Temperaturen sofort Fäulnisdruck erzeugten. Ein Moment großer Anspannung. Die Trauben veränderten sich buchstäblich stündlich. Doch unsere Sommerarbeit zahlte sich aus: Dank der lockeren Trauben und guten Durchlüftung konnten wir schnell, präzise und gesund lesen. Am 20. September – nach nur zwölf intensiven Erntetagen – war alles eingebracht. Ein Tag vor dem großen Regen.

 

Finn bringt es auf den Punkt: „Die entscheidenden 10 % für die Qualität entstehen Ende Juli. Wenn kaum noch jemand im Weinberg ist, beginnt unsere wichtigste Arbeit. Das habe ich bei Rebholz und Fürst gelernt und es hat uns 2025 enorm geholfen. Mit jedem Jahrgang verstehen wir die Natur ein Stück besser, und doch überrascht sie uns immer wieder. Genau daraus entsteht die Freude, die uns antreibt: die Vorfreude auf die Weine, die gerade erst beginnen, ihre Geschichten zu erzählen.“



Ausstellerdatenblatt
Nach oben springen