01.09.2025
Seit Jahren versuchen wir, durch gezielte Einsaaten und eine extensive Bewirtschaftung der an unsere Weinberge angrenzenden Grünstreifen die Artenvielfalt der Beikräuter in und um den Weinberg zu fördern – mit dem Ziel, Insekten und Kleinsäugern in unseren Lagen Refugien und Nischen zu bieten. Auch die Freihaltung und gegebenenfalls Instandsetzung alter Trockenmauern gehören zu unserem „Standardrepertoire“, um die Biodiversität und damit das ökologische Gleichgewicht zu stabilisieren.
Doch leider stoßen wir hier oft an unsere Grenzen: Es fehlt uns des Öfteren schlicht an Wissen, welche Arten an bestimmten Standorten wie zu fördern sind – und welche zwar schön aussehen, aber vielleicht gar keinen Beitrag zur Balance des Ökosystems leisten. So kann eine bunte Blühmischung zwar einen optisch beeindruckenden Blühstreifen erzeugen, enthält jedoch häufig nicht-heimische Blüten, die von Insekten aus unseren Breitengraden gar nicht angeflogen werden können.
Ebenso stellen die zunehmend trockeneren Frühjahre und Sommer immer höhere Anforderungen an uns Winzer. Zum einen bedeutet Begrünung in den Reihen – gerade in Stresssituationen wie Trockenheit – eine unmittelbare Konkurrenz zu den Weinreben. Zum anderen haben auch die Grünpflanzen selbst es oft schwer, die Gluthitze im Rheintal schadlos zu überstehen.
Genau hier setzt das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ an – ein deutschlandweites Projekt zur Stärkung der Biodiversität im Weinbau. Besetzt mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Weinbau, Nachhaltigkeitszertifizierung und Wissenschaft, werden regional und individuell angepasste Biodiversitätsmaßnahmen gemeinsam mit Winzerinnen und Winzern aus allen deutschen Weinanbaugebieten entwickelt, getestet und umgesetzt.
„AMBITO – Entwicklung und Anwendung eines modularen Biodiversitäts-Toolkits für den Weinbau in Deutschland“ nennt sich diese spannende Initiative.
Wir freuen uns sehr, zu den 30 ausgewählten Modellbetrieben zu gehören, die im Rahmen dieses Projekts zielgerichtet und individuell für ihre Weinberge beraten werden. So haben wir bereits im vergangenen Jahr in einigen Weinbergen speziell zusammengestellte Versuchssaaten zwischen den Rebzeilen ausgebracht, die optimal auf die jeweiligen Standorte und Bodengegebenheiten abgestimmt sind. Von den Ergebnissen der Versuche, die durch Expert:innen der Hochschule Geisenheim begleitet werden, erwarten wir neue Strategien, um mit gezielter Ansiedlung heimischer Pflanzenarten die biologische Vielfalt in unseren Weinbergen weiter auszubauen.
Weitere Maßnahmen werden wir in unseren Toplagen „Dürkheimer Spielberg“ und „Ungsteiner Herrenberg“ umsetzen. Während eines Ortstermins im August mit den Expert:innen von AMBITO und den eingebundenen örtlichen Naturschutzgruppen konnten wir lernen, dass manche Zusammenhänge wesentlich komplexer sind als gedacht. So kann es vorkommen, dass ein vom angrenzenden Gebüsch befreiter Grünstreifen durch stärkere Besonnung – insbesondere im Frühling – der frisch erwachenden Hummelkönigin lebensnotwendige Frühblüher und damit dringend benötigte Nahrung beschert. Und somit bedeutend mehr zur Biodiversität beiträgt als neu zu pflanzende heimische Gehölze, wie sie ursprünglich von uns angedacht waren.
Oder auch die Erkenntnis, dass ein sinnvoll aus abgestorbenen Reben und alten Holzpfählen aufgeschichteter „Holzhaufen“ keineswegs als Unrat zu betrachten ist, sondern als wertvolles Refugium für Insekten und Kleintiere dienen kann. Im Februar 2025 haben wir gemeinsam mit den AmBiTo Expertinnen und Experten nun auch ein auf uns maßgeschneidertes Biodiversitäts-Konzept für unser Weingut fertiggestellt; ein nach vielfachen Begehungen und Besichtigungen vor Ort erstellter vielseitiger Maßnahmenkatalog mit dem wir unseren Einsatz für mehr Bio-Diversität noch intensivieren wollen.
Wir sind jedenfalls mit großer Neugier – und nicht ohne Stolz – Teil dieses bundesweiten Forschungsprojekts.