Weinbau hat in Deutschland eine jahrhundertelange Tradition. Für die erste Qualitätsoffensive innerhalb der Rebflächen sorgte bereits Karl der Große, als er im frühen 9. Jahrhundert gezielt Rebsorten anbauen ließ, die für guten Wein standen. Unvergessen ist auch die Legende vom Spätlesereiter, mit der die Erfolgsgeschichte der Prädikatsweine im 18. Jahrhundert im Rheingau ihren Anfang nahm. Letztgenannte Legende ist zudem unabdingbar mit der Erfolgsgeschichte des Rieslings verbunden. Es gab allerdings eine Zeit, in der sich deutsche Winzerinnen und Winzer ein wenig zu sehr auf ihren Riesling-Erfolg ausruhten.
Maschinelle Bearbeitung in den Weinbergen sowie modernste Kellertechniken führten dazu, dass die Weine vor allem in den 1980er-Jahren geschmacklich recht genormt waren. Hinzu kam eine Schwemme an halbtrockenen und lieblichen Gewächsen, die zu dieser Zeit von den Konsumierenden besonders gefragt waren. Erst durch den Weinskandal in Österreich Mitte der 1980er-Jahre ging auch durch die deutsche Weinlandschaft ein Ruck. Statt maschineller Lese setzten einige Betriebe wieder bewusst auf eine händische Ernte. Die Trauben wurden selektiert, die Gärung erfolgte vielerorten wieder spontan mit weinbergseigenen Hefen. Und dann kam auch noch die ökologische Bewirtschaftung hinzu, auf die inzwischen immer mehr Weingüter setzen.
Seit 20 Jahren kann man beobachten, dass die deutschen Betriebe ihre Tradition von eigenständigen Weinen, die von ihrem jeweiligen Terroir erzählen, wieder aufleben lassen. Hinzu kommt eine großartige Experimentierfreude, die nicht selten Grenzen sprengt. Beispiele sind da etwa im kleinen Holzfass ausgebaute Rieslinge oder Rotweine aus neuen Barriques.
Generell sind die Weine seit den 1980er-Jahren auch wieder trockener geworden. Wobei es inzwischen bereits wieder eine Strömung gibt, die auf eine gewisse Restsüße setzt. Allerdings eher im Bereich der Qualitätsweine statt bei den Einstiegsstufen der Prädikatsweine. Und dann ist da ja noch der VDP, der als großer Vorreiter für trockene deutsche Weine gilt, die eine kleine Ewigkeit reifen können. Die Rede ist natürlich von den Großen Gewächsen. Dieses Prinzip der großen Weine, die strikt ihr Terroir wiedergeben und zudem noch ideal reifen, hat sich inzwischen auch abseits des VDP in Deutschland etabliert - und findet jetzt sogar Einzug im reformierten Weingesetz. Wobei sich die Geister nach wie vor daran scheiden, ob es solch einen großen Wein dann tatsächlich aus Basis-Rebsorten wie Müller-Thurgau geben sollte oder nicht.