Der österreichische Weinbau ist ein Paradebeispiel dafür, wie Traditionen und modernste Innovationen Hand in Hand gehen können. Traditionell stehen die Winzer in enger Verbindung zu ihrem Terroir. Sie arbeiten oft in Familienbetrieben, in denen das Wissen über die Weingärten und die spezifischen Anforderungen der Rebsorten von Generation zu Generation weitergegeben wird. Diese tiefe Verwurzelung in der Kultur und dem Land ist die Grundlage des Erfolgs. Was sich nach einer jahrhundertelangen Tradition anhört, ist in der Tat nur bedingt so alt. Denn auf die alten Tugenden haben sich die meisten Weingüter erst nach dem Weinskandal Mitte der 1980er-Jahre wieder zurückbesinnt.
Gleichzeitig sind österreichische Winzer sehr offen für technologischen Fortschritt, um Qualität, Nachhaltigkeit und Effizienz zu steigern. So kommen in den Weingärten zum Beispiel Drohnen und von GPS gesteuerte Traktoren für eine präzise Bewirtschaftung zum Einsatz. Eine temperaturkontrollierte Gärung ist bei vielen Weingütern ebenso selbstverständlich wie eine biologische oder biodynamische Bewirtschaftung. Hinzu kommt eine einheitliche Klassifikation der Qualitätsweine, die im sogenannten DAC-System (Districtus Austriae Controllatus) verankert ist. Dieses soll den gebietstypischen Charakter der Gewächse hervorheben und zugleich garantieren.
Der moderne Stil zeichnet sich durch Finesse, Frische und Eleganz aus. Die Winzer legen Wert auf die präzise Herausarbeitung des Terroirs. Während in den 1990er- und 2000er-Jahren noch kräftige, holzbetonte Rotweine international gefragt waren, geht der Trend heute wieder zu lebendigeren, feingliedrigeren Rotweinen. Auch die Weißweine, insbesondere der Grüne Veltliner und Riesling, präsentieren sich heute mit klarer, animierender Säure und intensiver, aber feiner Aromatik.