Und was ist mit roten Sommerweinen?
Unserer Meinung nach braucht sich der Weinfachhandel nicht davor scheuen, mit Klischees zu brechen. Zum Beispiel, dass man im Sommer nur Weißweine trinken sollte. Das wissen wir alle ja nun wirklich besser. Nur leider die Kundschaft oft halt nicht. Deswegen ist es immer wichtig, rote Sommerweine auf jeden Fall in einen Kontext zu setzen. Auch das lässt sich am besten mit dem Thema Kulinarik lösen.
Bleiben wir da ruhig beim Grill-Thema. Wenn zum Beispiel ein Steak auf den Rost kommt, kann man dazu einen empfehlen oder einen Cabernet Sauvignon aus Kalifornien. Wer weiß, dass die eigene Kundschaft gerne auch einmal üppige Rotweine kauft, kann an dieser Stelle auch einen Primitivo bzw. einen Zinfandel ins Spiel bringen. Zudem lohnt sich die Promotion von schlanken Rotweinen aus Gamay (zum Beispiel aus dem Beaujolais) oder Vernatsch (Südtirol) bzw. Trollinger, wie die Rebsorte im deutschen Württemberg heißt sehr. Diese kann man entweder zu gegrilltem Gemüse empfehlen oder aber gezielt als "Rule Breaker" einsetzen, weil man diese Weine am besten leicht gekühlt genießt.
Sommerweine erfolgreich vermarkten – Strategien für den Fachhandel
Nachdem wir Ihnen Sommerweine für jede erdenkliche Möglichkeit vorgestellt haben, stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie man sie am besten verkauft. Neben einem gezielten Point of Sale in der Weinhandlung bietet sich vor allem für den Lebensmitteleinzelhandel eine Zweitplatzierung an. Zum Beispiel neben der Fleischtheke, wo sich die Kundschaft direkt für den nächsten Grillabend inspirieren lassen kann. Oder aber neben dem Fisch. Und auch in der Gemüseabteilung kann man bereits ein paar Genussvorschläge machen. Falls es gezielte Aktionsflächen für Sommerprodukte gibt, darf natürlich auch dort eine gezielte Weinauswahl nicht fehlen.
Neben dem Point of Sale und der Zweitplatzierung spielt natürlich auch die direkte Beratung eine große Rolle. Vor allem im Weinfachhandel. Hier kann man der Kundschaft mit gezieltem Kontext einen echten Mehrwert bieten. Machen Sie etwa ganz konkrete Speisenvorschläge oder legen Sie direkt ein passendes Rezept zu einem Wein. Geben Sie Tipps zur Trinktemperatur oder wie man einen Wein sehr schnell einkühlt. Alles, was Ihrer Kundschaft den Genussalltag erleichtert, wird auf offene Ohren stoßen. Und das wiederum öffnet dann auch leichter den Geldbeutel.
Selbiges geht auch online, indem Sie gezielt Social-Media-Kampagnen oder Newsletter zum Thema Sommerweine kreieren. Stellen Sie doch mal beliebte Weinregionen, die man mit Sommer und Urlaub verbindet, genauer vor. Oder ein besonderes Weingut. Und empfehlen Sie direkt ein paar ganz konkrete Weine dazu. Was auch immer sehr gut wirkt, ist ein Kontrast von Bestsellern und Insider-Tipps. Nehmen Sie zum Beispiel einen sehr bekannten Lugana und verkaufen Sie diesen mit einem echten Insider-Tipp, der so gut wie unbekannt ist, aus dem selben Anbaugebiet. Das lohnt sich freilich nur, wenn Ihr Sortiment nicht ausschließlich aus Top-Sellern und bekannten Marken besteht. Sollte das der Fall sein, dann ist ein gezielt geschnürtes Paket mit Sommerweinen für Ihre Kundschaft immer eine gute Idee.
Mit Sommerweinen den Verkauf ankurbeln
Sie sehen: Auch im Sommer kann man gezielt für Absatz sorgen, wenn man das eigene Portfolio thematisch als Sommerwein präsentiert und in einen Kontext setzt. Unter uns: Es ist gerade der Kontext, der es Ihnen dann auch ermöglicht, so ziemlich jeden Wein aus Ihrem Sortiment als Sommerwein zu promoten. Selbst die schwersten Geschütze. Wenn Sie Ihrer Kundschaft den passenden Genuss-Anlass via Beratung, im Newsletter oder während einer gezielten Online- oder Offline-Kampagne. Ihrer Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Nutzen Sie das!
Merkmale eines leichten Sommerweins
Wir rekapitulieren: Ein typischer Sommerwein hat also einen niedrigeren Alkoholgehalt, eine frische Säure, eine charmante Frucht sowie einen schlankeren Körper. Damit symbolisiert er perfekt ein Gefühl der Leichtigkeit, das Menschen vor allem während der heißen Wochen so wichtig ist. Wichtig ist hier vor allem der moderate Alkoholgehalt, der die 12 Volumenprozent am besten nicht übersteigen sollte, damit Ihren Kundinnen und Kunden der Wein nicht so schnell zu Kopf steigt und im schlimmsten Fall auch noch den Kreislauf beeinträchtigt. Bei hohen Temperaturen vertragen wir Menschen nun einmal Alkohol nicht ganz so gut. Neben trockenen Weinen sind auch halbtrockene Gewächse hier gerne gesehen. Wer das bei seinem Angebot an Sommerweinen berücksichtigt, hat eine sehr gute Chance, den Umsatz zu steigern.
Neben dem Inhalt ist aber auch das Äußere eines Weins im Sommer durchaus entscheidend, um den Abverkauf anzukurbeln. Schwere und vor allem dunkle Flaschen werden von der Kundschaft traditionell eher mit den kühleren Jahreszeiten assoziiert. Selbiges gilt auch für dunkle Etiketten. Ist die Ausstattung eines Weins indes hell und freundlich, wird direkt auch ein leichtes und luftiges Lebensgefühl mitverkauft. Weißglas und helle, charmante Etiketten sind also fast ebenso wichtig wie die Rebsortenauswahl für und das Aromenprofil in einem Wein. Je leichter und charmanter, desto besser.
Weiße Sommerweine – Frische, Leichtigkeit und Vielfalt
Ganz klar: Weißweine werden im Sommer von fast allen Menschen bevorzugt. Weil man sie gekühlt genießt und weil sie meistens eine frische Säure haben. Und weil sie trotzdem mit viel Aromatik brillieren. Vor allem, wenn es sich um Riesling, Sauvignon Blanc, Scheurebe, Muskateller und Co. handelt. Riesling hat den Vorteil, dass er nicht nur fruchtig, sondern auch mineralisch sein kann. Wodurch er viele unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben abdeckt. Hinzu kommt, dass man bei einem Riesling Kabinett oft auch weniger Alkohol hat – vor allem, wenn er in der halbtrockenen Variante angeboten wird. Ein trockener Riesling hat indes oft einen höheren Alkoholgehalt – auch als Kabinett.
Sauvignon Blanc hingegen überzeugt durch seine wandelbare Stilistik. Zum einen gibt es da die grasig-grünen Varianten von der Loire, denen die exotischen Fruchtbomben aus Neuseeland gegenüberstehen. Und dazwischen: All die Geschmacksbrückenbauer, die beide Welten in sich vereinen. Beste Beispiele sind hier die Sauvignon Blancs aus Südafrika, Österreich oder auch Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass Sauvignon Blanc auch ein hervorragender Cuvée-Partner ist. Das Paradebeispiel stammt aus Frankreich. Denn ein Bordeaux Blanc, in dem sich Sauvignon Blanc mit Sémillon und vielleicht noch ein wenig Muscadelle vereint, ist ein echter Genussgarant im Sommer.
Und eh! Die Muskateller-Rebsorten! Mit ihrer feinfruchtigen Aromatik sind sie ideal für den sommerlichen Genuss. Was dann aber auch für die Scheurebe gilt. Und auch für den Grünen Veltliner. Auch ein aromatischer Silvaner oder ein knackiger Chenin Blanc können hervorragende Alternativen sein, wenn Ihre Kundschaft mal etwas Neues ausprobieren möchte. Was all diese Rebsorte eint: Sie passen in der Regel hervorragend zur sommerlichen Küche. Knackige Salate, Grillgut, leichte Pastasaucen – das alles lässt sich hervorragend kombinieren.
Roséweine – Die Allrounder unter den Sommerweinen
Noch vor ein paar Jahren tat man Roséweine als sogenannte „Swimmingpool-Weine“ ab. Eben Weine, die so belanglos sind, dass man sie nur nebenbei am Swimmingpool genießen kann. Dieses Image hat sich inzwischen komplett gewandelt. Denn für die meisten Winzerinnen und Winzer sind Roséweine nicht mehr einfach nur ein Beiprodukt, das man nebenbei macht, sondern eine ernstzunehmende und eigenständige Weinkategorie, in das man ebenso viel Herzblut und Können legt wie bei den anderen Weinfarben.
Ein Sommer-Rosé changiert von einem zarten Blassrosa bis zu einem tiefen und kräftigen Pink. Er zeichnet sich durch eine schöne Fruchtigkeit ebenso aus wie durch Eleganz und auch gerne eine feine Mineralik. Bei Kunden sind vor allem Rosés aus der Provence sehr beliebt. Diese Gewächse sind zudem oft selbsterklärend und profitieren vom Image der südfranzösischen Weinregion. Doch auch die Roséweine rund um den italienischen Gardasee wie etwa Bardolino Chiaretto oder Valtènesi sind ebenso gefragt wie Pendants aus Kalabrien oder Apulien. In Deutschland gelten Baden und Rheinhessen als Epizentrum für Sommer-Rosés. Wobei aus Deutschland mit dem Weißherbst eine Spezialität kommt, die einem Rosé sehr ähnlich ist. Selbiges gilt für den Schilcher aus Österreich.
Ob man einen Sommer-Rosé knackig kalt oder doch eher bei 10 bis 12 °C genießen sollte, hängt natürlich immer vom jeweiligen Weinstil ab. Es kann von Vorteil sein, wenn Sie Ihre Kundschaft dahingehend beim Weinverkauf beraten und gezielt Tipps geben. Das gilt auch für die Wahl des richtigen Weinglases. Denn immer noch greifen Menschen da gerne zu einem zu kleinen Weißwein- oder zu einem zu großen Rotweinglas. Und wenn Sie schon beraten, dann dürfen auch die Pairing-Tipps nicht fehlen. Zu einem klassischen Rosé de Provence kann man zum Beispiel mit einer klassischen Bouillabaisse nichts falsch machen. Fisch und Meeresfrüchte sind ebenso wie Geflügel in allen Variationen aber auch per se eine tolle Kombination zu Roséweinen im Hochsommer.
Rote Sommerweine – Leicht, gekühlt und unterschätzt
Gerne übersehen, aber immer mehr im Kommen sind Rotweine während der heißen Wochen. Rote Sommerweine sind leider noch immer sehr erklärungsbedürftig und benötigen im Verkauf deswegen vor allem einen Kontext. Sprich: Zu welchen Situationen passt ein Rotwein im Sommer? Das können Anlässe unterschiedlichster Art sein. Vom Grillen übers Picknick bis hin zur leichten Sommerküche können hier viele Genussverbindungen geknüpft werden. Wichtig ist bei der Kommunikation, dass man immer und immer wieder erklärt, dass man auch Rotweine kühlen kann. Und sollte. Vor allem, wenn es sich um eher schlankere Rebsorten mit wenig Tanninen handelt.
Womit wir dann auch bei den beiden Parade-Rotweinen für den Sommer wären. Nämlich Gamay und Vernatsch (bzw. Trollinger oder Schiava, wie die Rebsorte auch genannt wird). Diese Trauben brillieren mit einem schlanken Körper, viel feiner Frucht und wenig Tannin. Damit bilden sie einen tollen Kontrast zu den typischen Kaminweinen im Herbst und Winter, die eher schwer und komplex daherkommen. Eine echte Win-win-Situation für den Weinhandel.
Prickelnde Sommerweine – Schaumwein & Perlwein als erfrischende Alternative
Ein perfekter Übergang von den Rotweinen zur nächsten Kategorie der Sommerweine ist der Lambrusco. Er gehört offiziell zu den Perlweinen, weil während der Produktion Kohlensäure entsteht, die den Wein angenehm prickeln lässt. Lambrusco war lange Zeit als Massenwein verschrien. Diese Zeiten haben sich aufgrund einer massiven Qualitätsoffensive in der italienischen Emilia-Romagna allerdings nachhaltig geändert. Inzwischen gibt es wieder hervorragende Lambrusco-Weine mit einem erfrischenden Charakter, die vor allem im Sommer aufgrund ihrer leichten und charmanten Art sehr viel Freude machen können.
Aber das gilt für Schaum- und Perlweine aller Arten. Vom deutschen oder österreichischen Sekt über den spanischen Cava bis hin zum Crémant oder Champagner geht in Sachen Schaumwein in der warmen Jahreszeit alles. Die Kohlensäure sorgt hier generell für das kleine Extra an Erfrischung. Und das Prickeln unterstreicht das Lebensgefühl des Sommers zusätzlich.
Besonders beliebt ist vor allem der italienische Prosecco aus Venetien beziehungsweise Friaul-Julisch Venetien. Während der Frizzante, also die Perlwein-Variante, ausschließlich mittels Charmat-Methode hergestellt wird und mit floral-fruchtigen Noten begeistert, ist der Prosecco Spumante ein klassischer Schaumwein, der inzwischen immer häufiger mittels traditioneller Flaschengärung produziert wird. Beide Varianten eigenen sich – wie übrigens auch alle anderen Perl- und Schaumweine – nicht nur hervorragend als Aperitif, sondern begleiten im Sommer auch höchst gekonnt laue Abende, ausgelassene Feiern und romantische Sonnenuntergänge. Mal ganz davon abgesehen, dass sie vor allem in den Geschmacksvarianten Brut Nature, Extra Brut und Brut auch hervorragend zu Seafood in sämtlichen Variationen passen. Genau hier lohnt es sich also, wenn Sie Ihrer Kundschaft gezielt Rezepte zum Nachkochen und Genießen zu den jeweiligen Schaumweinen empfehlen. Hier hat oft auch das produzierende Weingut konkrete Tipps für gelungene Pairings.
Sommerwein zum Grillen – Wein trifft auf BBQ
Bei vielen Menschen wird ab Juni regelmäßig den ganzen Sommer über gegrillt. Da schlägt dann natürlich auch die Stunde der sommerlichen Weine. Crémant, Prosecco und Co. sind da mit ihren erfrischenden Eigenschaften ein idealer Einstieg. Doch Schaumweine begleiten bekanntlich auch gegrillten Fisch sehr gut. Zu gegrilltem Geflügel macht indes Chardonnay eine sehr gute Figur, während Silvaner, Grauburgunder oder Müller-Thurgau ideale Begleiter zu Schweinefleisch sind. Auch Chenin Blanc von der Loire oder aus Südafrika sind schöne Grill-Begleiter. Und auch einen Roséwein sollte man immer mit dabeihaben. Dieser geht übrigens nicht nur super zu Fisch, sondern auch zu gegrilltem Gemüse.
Hier können Sie Ihrer Kundschaft mit unzähligen Vorschlägen ganz konkret bei der perfekten Genuss-Kombination behilflich sein. Und bei der Trinkreihenfolge. Denn schließlich gilt: Mit dem Alkoholgehalt sollte man sich steigern. Fangen Menschen mit den Weinen, die den niedrigsten Alkoholgehalt haben, an, dann können sie ganz einfach länger genießen. Ein weiteres Beratungsthema kann und sollte die richtige Trinktemperatur sein. Im Sommer dürfen die Getränke per se ein klein wenig kühler sein. Vor allem, wenn man draußen isst und trinkt. Da wird der Inhalt schnell von allein wärmer. Statt 8 °C für einen Schaumwein empfehlen Sie also lieber 6 °C – und so weiter. Auch Tipps zum Einkühlen wie den Kübel mit Eiswürfel-Wasser-Gemisch nehmen Kundinnen und Kunden in der Regel dankbar entgegen.
Aperitif mit Sommerwein – Der perfekte Einstieg in den Abend
Das Schöne an Sommerweinen: Aufgrund ihres geringeren Alkoholgehalts eignen sie sich in der Regel auch hervorragend als Aperitif. Dies gilt vor allem für fruchtig-frische Schaumweine wie Crémant, Prosecco oder Sekt sowie für schlanke Weißweine mit höherer Säure. Womit wir dann wieder beim Riesling oder Chardonnay wären. Ihre Kundschaft kann also nicht nur prickelnd, sondern auch mit einer großen Auswahl an Stillweinen hervorragend anstoßen.
Besonders Schaumweine eignen sich aber auch hervorragend als Grundlage für Mischgetränke, die man als Aperitif reichen kann. Zum Beispiel mit einem Spritzer Cassis als Kir oder mit einem Hauch Limoncello. Stillweine hingegen lassen sich prima mit Tonic oder Soda zu einem spritzigen Aperitif-Cocktail aufpeppen. Und wenn jemand auf Alkohol verzichten möchte, dann lassen sich hierfür auch prima alkoholfreie Schaumweine und entalkoholisierte Weine als Ersatz verwenden.
Sommerweine für die Terrasse – Leicht, spontan, unkompliziert
Eine Spielart des Sommerweins ist der sogenannte Terrassenwein. Auch hierbei handelt es sich nicht um einen anerkannten Weinstil, denn es gibt hier keine verbindliche Definition. Als Marketingbegriff hat der Terrassenwein aber eine sehr starke Strahlkraft. Denn man assoziiert mit ihm einen leicht zu liebenden und genießenden Wein, der jedem schmeckt, weil er herrlich unkompliziert und dennoch nicht langweilig ist.
Pinot Gris in sämtlichen Spielarten bietet sich da aufgrund der milden Säure und des fruchtigen Charakters geradezu an. Vor allem als schlanker Pinot Grigio aus Friaul-Julisch Venetien oder als saftiger Grauburgunder aus der
Pfalz . Wenn es doch etwas frischer sein soll, dann bietet sich ein Soave ebenso an wie ein Prosecco Frizzante und sonstige Perlweine.