Keine geschützte Sommelier Profession: Was heißt das?
Sie sehen: Die Verantwortung, die Sommeliers für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Betriebes tragen, ist enorm. Deswegen ist es umso verwunderlicher, dass der Begriff Sommelier bzw. Sommelière nach wie vor nicht geschützt ist. Gemeinhin meint man damit zwar Weinkellner. Tatsächlich gibt es aber auch Käsesommeliers, Biersommeliers oder sogar Wassersommeliers. Hinzu kommt, dass es keine verbindliche Ausbildung für Sommeliers gibt. Diese machen meist eine reguläre Ausbildung in der Hotellerie oder der Gastronomie, bevor sie sich dann für spezielle Weinweiterbildungen entscheiden. Nötig sind diese allerdings nicht. Ja, selbst ein Interesse an Wein ist nicht obligatorisch.
Wenn etwa eine Gastwirtin oder ein Gastwirt ohne jegliche Vorbildung eine separate Weinkarte erstellt und diese Gewächse dann aktiv am Tisch der Gäste anpreist, um sie zu verkaufen, können sich diese Personen ohne weitere Konsequenzen einfach Sommelier oder Sommelière nennen. Selbst im Weinhandel gehen einige Menschen dazu über, sich selbst als Sommelier oder Sommelière zu bezeichnen, weil das von der Kundschaft einfacher eingeordnet werden kann als der Begriff Weinfachperson. Fällt der Begriff Sommelier oder Sommelière, ist Konsumierenden direkt klar: dieser Mensch kennt sich mit Wein aus. Dass hier dann der komplette Service-Part fehlt, ist den meisten herzlich egal. All das sind auch Gründe, warum es für solche Berufsspezialisten kein einheitliches Gehalt gibt.
Ausbildung zum Sommelier und Sommelière
Da schon die Bezeichnung für Sommeliers nicht geschützt ist, ist es nur eine logische Konsequenz, dass es auch keinen genormten Ausbildungsweg gibt. Noch bis vor 15 Jahren war es absolut üblich, dass erfahrene Sommeliers jüngere Auszubildende einfach unter ihre Fittiche nahmen und ihnen alles Relevante einfach direkt selbst beibrachten. In einigen Betrieben ist dieses Vorgehen bis heute gang und gäbe. Ein offizieller Ausbildungsberuf mit Berufsschule und Co. ist der Job bis heute nicht. Allerdings gibt es inzwischen dann doch genügend Möglichkeiten, sich tatsächlich genormt ausbilden zu lassen.
In fast jedem Land der Welt gibt es so zum Beispiel Fortbildungen von den Industrie- und Handelskammern. Diese legen die Studienschwerpunkte fest und nehmen offiziell die Prüfungen ab. Für die Ausbildung an sich stehen dann aber verschiedenste Anbieter zur Verfügung. In Deutschland trägt man nach dem erfolgreichen Abschluss zum Beispiel nicht nur den Titel Sommelier oder Sommelière, sondern darf dann in Klammern gesetzt (IHK geprüft) ergänzen. Als geprüfter Sommelier IHK kann man so eine standardisierte Ausbildung vorweisen. Da das aber in jedem Land anders vonstatten gehen kann, konzentrieren wir uns jetzt auf die beiden internationalen Ausbildungswege für Sommeliers.
Wein Sommelier Ausbildung: Internationale Standards beim Court of Master Sommeliers
1969 wurde in London der Court of Master Sommeliers gegründet, an dem man sich seitdem nach genormten internationalen Standards ausbilden lassen kann. Inzwischen gibt es im kalifornischen Santa Barbara auch einen Ableger in den USA. Die Ausbildung ist in vier Stufen unterteilt. Die meisten Teilnehmenden hören nach dem zweiten Level auf, wenn sie das damit einhergehende Certified Sommelier Examen erfolgreich gemeistert haben.
Ausbildung Wein Sommelier: Die Rolle der Association de la Sommellerie Internationale (ASI)“
Mit der Association de la Sommellerie Internationale - kurz auch ASI genannt - gibt es eine internationale Vereinigung für Sommeliers. Die gemeinnützige Organisation wurde ebenfalls 1969 gegründet. Allerdings im französischen Reims. Ihr Ziel ist es, den geprüften Beruf des Sommeliers bzw. der Sommelière weltweit zu entwickeln, zu fördern und Qualitätsstandards aufrecht zu erhalten. Die Vorteile einer Mitgliedschaft liegen klar auf der Hand: Wer die Profession Sommelier ausübt, kann sich weltweit mit Kolleginnen und Kollegen vernetzen, an Weiterbildungen teilnehmen und sich sogar von der ASI in einem dreistufigen Programm gezielt zertifizieren lassen.
Die ASI ist inzwischen in 65 Ländern auf vier Kontinenten aktiv und richtet dort auch gezielte Wettbewerbe an, in denen Sommeliers ihre Fähigkeiten im Bereich Service, Sensorik und Fachwissen beweisen müssen. Hier kann man es dann bis zum besten Sommelier oder beste Sommelière des eigenen Landes schaffen. Die nächste Stufe ist es dann, der oder die Beste auf dem jeweiligen Kontinent zu werden. Alle drei Jahre kürt die ASI dann in einem knallharten Wettbewerb den besten Sommelier der Welt. Diese ganz besondere Competition, die man online mittels Livestream verfolgen kann, fand zuletzt am 12. Februar 2023 in Paris statt. Der Gewinner war der Lette Raimonds Tomsons.
Stellt sich nur noch die Frage, wie man Mitglied der ASI werden kann. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Als Einzelperson ist das in der Regel nicht möglich. Denn prinzipiell setzt sich die ASI aus den Mitgliedern aus Sommelier-Verbänden aus der ganzen Welt zusammen. Eine einzelne Mitgliedschaft ist also nicht möglich. Man kann allerdings in seinem Land einen eigenen Sommelier-Verband gründen und dann eine Mitgliedschaft beantragen. Die Probezeit dauert in der Regel zwei Jahre, in denen sich der neue Verband aktiv am ASI-Geschehen beteiligen muss. Zudem findet durch den ASI-Vorstand eine Prüfung vor Ort statt. Dabei werden Räumlichkeiten besichtigt und Fähigkeiten überprüft. Die Hürden und Standards sind also sehr hoch.