Ausgerechnet in der Rotwein-Metropole Margaux kannte man den Sauvignon Blanc auch schon um 1710. An den Ufern der Gironde sind die Bedingungen ähnlich günstig. Hier kreuzte sich die Sorte einerseits spontan mit Cabernet Franc zu Cabernet Sauvignon. Andererseits liefert sie in den feuchten Flusstälern südlich der Stadt Bordeaux das Grundmaterial für Sauternes, den feinsten und teuersten Süßwein der Welt.
Die großen Mengen wie Entre-deux-mers reifen ohne Pilzbefall zu frischen, fruchtigen Weißweinen heran, die zurzeit sehr geschätzt sind. Das Gros davon sind gute Trinkweine. Superstars wie Haut-Brion, Cos d'Estournel, Smith Haut Lafitte und – wieder – Château Margaux machen ebensolche Weine. Auch wenn sie in dem ausgewiesenen Rotwein-Gebiet als einfache Bordeauxweine abgefüllt werden müssen.
Mit rund 27.000 Hektar ist Sauvignon Blanc die weißen Sorte mit der drittgrößten Anbaufläche Frankreichs, deren größter Teil im Roussillon und Languedoc liegt. Weiter südlich gedeiht die Rebe nicht mehr sehr gut. Poggio alle Gazze von Ornellaia in der Toskana oder Miguel Torres mit den Hochlagen des katalanischen Fransola bleiben da die Ausnahme.
Die Kombination aus kaltem Klima und kargen Böden findet sich aber an verschiedenen Stellen in Norditalien. Im Piemont macht Angelo Gaja mit dem Alteni di Brassica einen Wein, der als Referenz gelten kann. Andere engagierte Winzer bauen Sauvignon Blanc in Südtirol und dem Friaul an. Auf den schroffen Böden der kalten Voralpengebiete machen die besten Winzer wie die Cantina Terlano in Südtirol oder Marco Felluga im Friaul Weine von großer Tiefe und Alterungsfähigkeit.
Auch auf der Nordseite der Alpen stimmen die Standortfaktoren. Sauvignon Blanc gibt es in Österreich schon seit dem 19. Jahrhundert. So richtig in Fahrt kam die Branche Ende der neunziger Jahre. Das Weinviertel, das Burgenland und vor allem die feuchtwarme Steiermark haben sich einen großen Namen gemacht. Auch wenn die Terroirs recht unterschiedlich sind, bestechen
die besten Österreicher mit konzentrierten Mineraltönen, die man als eigenen Stil verstehen kann.
Die Attraktivität der Sorte ist natürlich auch Winzern in Deutschland nicht entgangen, wo man seit Längerem nach Alternativen zum übermächtigen Riesling Ausschau hält. Die Anbauflächen in den besonders warmen Regionen Pfalz, Baden und Rheinhessen, sind auf ansehnliche 850 Hektar angewachsen. Aha-Erlebnisse bescheren allerdings vor allem Spitzenwinzer. Oft schmeckt die Frucht herb wie Holunderblüten und schwarze Johannisbeeren. Trotz Klimawandel fehlt es mitunter an Sonne. Noch.