Neuromarketing mit Wein: Adaption für den Fachhandel
Was im Supermarkt mit Waschmittel funktioniert, klappt auch mit Grands Crus und Prädikatsweinen. Natürlich inszenieren Sie Wein emotionaler und hochwertiger. Dennoch bleibt die Biologie Ihrer Kunden gleich. Nutzen Sie die Regalzonen strategisch. Ein Kunde, der eine Weinhandlung betritt, sucht Orientierung. Findet er diese nicht sofort, entsteht kognitiver Stress. Stress killt die Kauflust.
Durch eine klare Strukturierung nach neuropsychologischen Gesichtspunkten führen Sie Ihre Kundschaft wie an einem roten Faden durch Ihr Sortiment. Sie lenken seinen Blick auf die Weine, die Sie vermarkten möchten, nicht nur auf die, die er ohnehin kaufen wollte. Im Folgenden finden Sie 9 detaillierte Tipps, wie Sie Ihr Sortiment – ob auf 30 oder 300 Quadratmetern – gewinnbringend ordnen.
1. Marge gehört auf Augenhöhe
Platzieren Sie Ihre profitabelsten Weine in der Sichtzone (140 bis 160 cm Höhe). Hier fällt der Blick zuerst hin. Nutzen Sie diesen „Prime Real Estate“ nicht für Weine, die sich von selbst verkaufen, oder für die billigsten Tropfen. Hier stehen die Entdeckungen, die Eigenmarken und die Weine, die Ihre Kasse klingeln lassen. Auf kleinen Flächen nutzen Sie vertikale Blöcke: Oben die Spezialität, in der Mitte der Ertragsbringer.
2. Saisonale Aktionsflächen im Eingangsbereich
Der erste Kontakt entscheidet. Nutzen Sie den Eingangsbereich für saisonale Themen. Im Sommer muss hier der frische Weißwein oder Roséwein stehen – perfekt gekühlt inszeniert als „Sommerwein“. Im Herbst und Winter bauen Sie hier die Bühne für den kräftigen Rotwein, den klassischen „Kaminwein“. Wechseln Sie diese Themen monatlich. Das signalisiert Aktualität und verführt zum Spontankauf, noch bevor der Kunde das Hauptregal erreicht.
3. Farbpsychologie und „Color Blocking“ nutzen
Sortieren Sie nicht nur nach Land oder Rebsorte, sondern achten Sie auf optische Ruhe. Das menschliche Auge liebt Muster. Gruppieren Sie Flaschen so, dass Farbblöcke entstehen (Color Blocking). Ein Block heller Etiketten neben einem Block dunkler Flaschen wirkt aufgeräumter als ein wildes Durcheinander. Das beruhigt das Gehirn und lädt zum Stöbern ein. Trennen Sie Schaumwein optisch klar von Stillweinen ab.
4. Rechtsdrall-Regel beachten
Die meisten Menschen sind Rechtshänder und orientieren sich in Geschäften instinktiv nach rechts. Platzieren Sie Ihre Top-Angebote oder Neuheiten auf der rechten Seite des Laufwegs oder im rechten Drittel des Regals. Produkte, die links stehen, werden oft als „Startpunkt“ wahrgenommen, aber weniger intensiv begutachtet als die Ware, die im weiteren Verlauf (rechts) folgt.
5. Alkoholfrei prominent integrieren
Verstecken Sie den Trend nicht in der dunklen Ecke. Alkoholfreier Wein und alkoholfreier Schaumwein gehören in die Sicht- oder Greifzone, idealerweise in einen eigenen, gut markierten Block („Mindful Drinking“). Die Nachfrage steigt rasant. Wenn Kunden diese Produkte suchen müssen, brechen sie den Kauf oft ab. Zeigen Sie Kompetenz, indem Sie diesen Alternativen den gleichen ästhetischen Raum geben wie alkoholhaltigen Weinen.
6. Leuchttürme: Bestseller als Ankerpunkte (Leuchttürme)
Verteilen Sie Ihre absoluten Bestseller strategisch im Laden. Nutzen Sie sie als „Leuchttürme“, die den Kunden tief in den Laden oder in weniger frequentierte Regalsektoren ziehen. Wenn der Lieblings-Grauburgunder ganz hinten steht, muss der Kunde an den neuen Spaniern und dem Marketing-Display für die Winzersekte vorbei. Auf diesem Weg entstehen Impulskäufe.
7. Touch & Feel: Flaschen greifbar machen
Neuromarketing lehrt uns: Was wir berühren, wollen wir besitzen. Sorgen Sie dafür, dass Flaschen einfach zu entnehmen sind. Stopfen Sie Regale nicht so voll, dass der Kunde Angst hat, etwas umzuwerfen. Legen Sie bei Highlight-Produkten eine Flasche quer oder stellen Sie sie auf ein Podest. Das lädt zum Anfassen ein. Die Haptik des Etiketts und oder die Form der Flasche sind starke Verkaufsargumente.
8. Bückzone klug nutzen
Der unterste Regalboden ist oft tot. Nutzen Sie ihn für Großgebinde (Bag-in-Box), Standard-Literware oder Zubehör wie Gläser und Karaffen. Diese Produkte sind voluminös und werden gezielt gesucht. Verschwenden Sie hier keinen Platz für kleinteilige, hochpreisige Spezialitäten. Auf kleinen Flächen können Sie hier auch Holzkisten stapeln, um Lageratmosphäre zu schaffen, was wiederum Authentizität vermittelt.
9. Kassenbereich als Impulszone
Der Kunde hat entschieden, der Geldbeutel ist schon fast offen. Jetzt ist der Widerstand gegen weitere Käufe am geringsten. Platzieren Sie an der Kasse Kleingebinde (0,375l), hochwertige Schokolade, professionelle Korkenzieher oder gekühlten Schaumwein „to go“. Hier funktioniert Marketing über Belohnung: „Das gönne ich mir noch schnell dazu.“