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Österreich - Riesenwirbel am Alpenrand

Österreich - Riesenwirbel am Alpenrand

Das Meer ist ein entscheidender Faktor für österreichischen Wein. Glaubt man nicht, aber viele der besten Lagen waren einmal die Böden urzeitlicher Ozeane. International gelten die Weine Österreichs als hochwertig. Auslöser der Qualitätsoffensive war ausgerechnet ein Lebensmittel-Skandal.

 
 

Erdschichten, die sich heben und wieder senken, erodieren und vermischen, gehören zu den guten Zutaten für bessere Weine. Eine Plattentektonik wie die Alpen ist in diesem Fall also großes Theater. Wie ein Strudel verwirbeln die Randbereiche des Gebirges im Osten Österreichs und mischen „nahezu alle geologischen Großeinheiten“ durcheinander, schwärmt Dr. Maria Heinrich, von der Geologischen Bundesanstalt Wien. „Das macht die österreichischen Weinlandschaften so vielfältig.“

Unterlage sind aber meist kalkige Ablagerungen eines Ozeans, der sich vor elf Millionen Jahren zurückzog und damit einigen Regionen im Osten des Landes zu genialen Böden verhalf. Dort liegen die Anbaugebiete in klimatischen Verhältnissen zwischen dem relativ trockenen Norden und dem feuchtwarmen Süden.

 
 
Weingarten im Winter

Weingarten im Winter © ÖWM / Lukan

Die Donau – Riesling trifft Granit


Die Donau im Norden durchfließt Niederösterreich von West nach Ost und wird dabei unter anderem von den Flüssen Krems, Kamp und Traisen gespeist. In umgekehrter Richtung strömen warme Winde in das steile Urgesteintal. Ab Herbst wechseln sie sich mit kalten, nächtlichen Fallwinden ab und führen zu den begehrten Kalt-Warm-Wechseln, die vor allem Weißweinen Säure, Fruchtaromen und Fülle garantieren.

In den besten Lagen herrschen extreme Bedingungen. Am Kamptaler Heiligenstein spülte eine Sturzflut vor rund 300 Millionen Jahren Vulkangestein an. Das Gelände ist so abschüssig, dass nicht mal angewehter Sand liegen bleibt. Ähnlich steil fallen die Wände der Kalkschotter-Terrassen des Traisentals ab. Nach der letzten Eiszeit wanderte die Weinrebe von Kleinasien entlang der warmen Flussbetten Richtung Europa. So kam sie in Österreich deutlich eher an als in den heutigen Hauptweinbauländern. Die günstigen Anbaubedingungen erkannten schon Bauern in der Bronzezeit, die hier Vitis vinifera Trauben ernteten.

Neben dem Grünen Veltliner wurzelt Riesling tief und mit großem Erfolg in die Böden des Weltkulturerbes Wachau entlang der Donau. Die Weine entwickeln einen stahligen Ton, den nur sehr spezielle Terroirs hervorbringen.

 
 

Das Klima für Veltliner


Nördlich der Donau bis in das Drei-Länder-Eck mit der Slowakei und Tschechien liegt das Weinviertel. Auf den sanften Hügeln des größten österreichischen Anbaugebiets gedeihen viele Weißweine in kalten Wintern und heißen Sommern. Doch der Veltliner ist die Paradesorte. „Eine wissenschaftliche Studie“ erklärt Willi Klinger Chef des österreichischen Wein-Marketings, “wies den besonderen Charakter des Weinviertler Grünen Veltliners nach“. Der ist mitsamt dem typisch pfeffrigen Abgang allgemein etwas rustikaler als in den Spitzenlagen an der Donau, wo die teuersten Flaschen gleich nach der Abfüllung für Höchstpreise verkauft werden.

Mit 6500 Hektar unter Veltliner-Reben hat das Weinviertel nicht nur rund die Hälfte allen österreichischen Veltliners, sondern auch den global größten Bestand. Auch wenn kalifornische Supermärkte einheimische Veltliner feil bieten, bleibt die Sorte weitgehend auf Österreich beschränkt.

 
 
Weinberge in dem Weinbaugebiet Neusiedlersee

Weinberge in dem Weinbaugebiet Neusiedlersee © ÖWM / Armin Faber

Pannonien, die Klimamaschine


Pannonien – die römische Provinz, die in der Antike mal Teile des heutigen Österreichs, Ungarns und Slowakiens umfasste – beginnt südlich von Wien und steht für ein warmes, manchmal feucht-warmes Klima beeinflusst von der Wasserfläche des Neusiedler Sees. Diese Standortfaktoren stehen für Weine mit Körper.

Während der Machtausdehnung ihres Reichs unterhielten die Römer Militärstandorte in der Region und bauten Wein im größeren Maßstab, wenn auch nicht unbedingt in hoher Qualität an. Sorten wie Traminer wurden wohl schon in der Antike aus Wildreben selektioniert.

Welche Reben die Römer pflanzten, ist heute schwer zu sagen. Tendenziell waren die Berufssoldaten eher Weißweintrinker. Die ehemalige Militärbasis Carnuntum steht heute für Rotwein. Zweigelt, eine Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch und meistgepflanzte Sorte, kommt mit vielen Standorten zurecht, läuft aber hier oft zur Höchstform auf.

Massenträger der fünfziger Jahre sind mittlerweile gegen bessere Klone ausgetauscht. Die Gebietsmarke „Rubin“ steht für einige der besten, oft mit dem typischen Tintenton und dichtem Fruchtkern. Die Qualitäten haben der Region einen kleinen Tourismus-Boom beschert. Man findet Vinotheken und vom Gault Millau-Führer ausgezeichnete Restaurants. Noch im Kalten Krieg war Carnuntum zwischen Alpen und Karpaten ein vergessener Flecken am Eisernen Vorhang. Von manchen Weinbergen sah man die tschechoslowakische Grenze. „Das war hier das Ende der Welt“, erinnert sich Gerhard Markowitsch, der hier einen Chardonnay anbaut, den er bis in die USA und nach China exportiert.

 
 

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