Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: Internationale Fachmesse Weine und Spirituosen. News. ProWein Magazin. Thema des Monats. April 2015: Große Bühne für den Wein – das Roussillon.

Große Bühne für den Wein – das Roussillon

Große Bühne für den Wein – das Roussillon

Im Roussillon wachsen Reben hinter dem Strand genauso wie in Sichtweite verschneiter Pyrenäengipfel. Auf den verschiedenen Terroirs entstehen sehr unterschiedliche Weine. Wenige Anbaugebiete haben eine vergleichbare Bandbreite vom mediterranen Weißen bis zum uralten Banyuls.

 
 

Wenn ein Weinliebhaber Gott spielen dürfte, würde er sich ein ideales Anbaugebiet erschaffen. Ausdrucksstarke Rebsorten, viel Sonne, kalte Nächte, unterschiedlich mineralische Böden, gute Lagen und verschiedenste Weintypen wären wohl seine Zutaten. Alles in allem würde dann so etwas Ähnliches wie das Roussillon dabei heraus kommen. Wobei die Region immer noch ein paar Extras zu bieten hat, wie etwa Seebrise, spottbillige Einstiegsweine und fast unbegrenzte Haltbarkeit.

 
 
Weinberge mit Gebirge

Weinberge mit Gebirge

Die Anbaubedingungen im südwestlichsten Zipfel Frankreichs sind derart gut, dass sich schon die antiken Griechen darin verliebten. Nachdem sie im 7. Jahrhundert vor Christus ihre erste Kolonie in Marseille zum Weinbaustandort ausgebaut hatten, entdeckten sie die Region am Fuß der Pyrenäen als Rebland für sich. Die Römer, die nach ihnen kamen, bauten ihre Provinz Narbonnaise zu einer Handelsdrehscheibe aus. Beide erkannten die geradezu idealen Standortfaktoren für den Weinbau: Das Roussillon bildet einen Talkessel, der von drei Bergzügen und dem Meer im Osten eingekreist ist. Gern wird die Formation als Amphitheater bezeichnet, weil sich die steilen Hänge mit ihren Terrassen wirklich wie eine antiker Zuschauerraum zum Mittelmeer im Osten öffnen. Von Westen fließen die drei Flüsse Agly, Têt und Tech fast parallel durch eine fruchtbare Ebene.

In dem mild-mediterranen Klima mit über 2500 Sonnenstunden fällt der wenige Regen in nicht mal hundert Tagen und oft in heftigen Gewittern. Das macht das Roussillon zu einer der trockensten Regionen Frankreichs. Um das Wasser ganzjährig aus dem Boden zu ziehen, müssen die Reben tiefe Wurzeln schlagen. Regelmäßige Fallwinde von den Bergen sind außerdem ein guter Schutz vor Pflanzenkrankheiten.

Seinen guten Ruf rettete der Wein der Region ins Mittelalter, wenn auch mit Abstrichen. Messwein wurde jedenfalls gebraucht. Karl der Große, der in Nordeuropa den Weinbau kräftig förderte, sah an der Grenze zur iberischen Halbinsel aber vor allem eins, ein Einfallstor für den Islam. Deshalb gründete er eigens einen Pufferstaat, die Grafschaft Rosselló, die der Region später den Namen gab.

 
 

Alte Inschrift

Hätte die Abschottungspolitik wirklich funktioniert, wäre allerdings einer der besten Weine der Welt verloren gegangen. Süßweine mochten schon die Zeitgenossen, gewannen sie aber vor allem durch Austrocknen und Überreifen der Trauben. Dann wurde noch einmal mit Honig nachgeholfen. Da traf es sich gut, dass Arnau de Vilanova, der maurische Medicus des Königs von Mallorca und Rektor der Universität von Montpellier, 1285 die Destillation entdeckte. Den frisch erfundenen Weinbrand setzte man gärendem Most zu, stoppte so die Hefeaktivität und erhielt die Fruchtsüße. Der Vin dou naturell war geboren.

Bis heute hat sich daraus im Roussillon eine einmalige Auswahl an Süßweinen entwickelt. Aus der Appellation Rivesaltes, die auf Deutsch „Hohe Ufer“ bedeutet, kommen bernsteinfarbene Ambrés und ziegelrote Tuilés. Ihre Farbe und ihr Aromenspektrum von Quitte bis Kaffee verdanken sie starker Oxidation, die „brutale“ genannt wird, wenn sie draußen in Glasballons statt findet.

 
 

Mehr Informationen

Alle Themen