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Der digitale Weinbauer – wie viel social media braucht ein Winzer

Der digitale Weinbauer – wie viel social media braucht ein Winzer

Soziale Medien stehen bei vielen Winzern nicht gerade hoch im Kurs. Dabei birgt die Selbstdarstellung im Internet enormes Potenzial. Auf keinem anderen Weg erreicht man Kunden und die, die es werden könnten, so leicht und so preiswert. Ein kleiner Überblick.

 
 

„Ei, do känne Se uns eh Fax schicke“, pfälzelt die Frau des Winzers am Telefon. Der Anrufer hätte gern einen Sechserkarton Wein. Aber die Website besitzt keine Bestellfunktion. So ringt er sich am Ende zu einem Anruf durch und muss jetzt noch ein Fax hinterher schicken.

Die Dame des Hauses ist wirklich sehr freundlich und lässt im weiteren Gespräch noch wissen, dass man den Wein am liebsten bei einer gemütlichen Weinprobe im persönlichen Gespräch verkauft. Nett gemeint, aber als Vermarktungsstrategie nicht gerade richtungsweisend. Skepsis gegenüber modernen Medien ist bei kleinen Betrieben kein Einzelfall.

Eine Website hat mittlerweile so gut wie jeder. Auch der Shop dazu ist ziemlich selbstverständlich. Wer darin ein paar wechselnde Angebote macht, wundert sich mitunter über die durchschlagende Wirkung. Und die ließe sich schon mit einfachen Mitteln steigern. Die Internet-Adresse auf dem Etikett macht es potenziellen Kunden leicht, besser man setzt gleich noch social media Kontakte, einen Bar- oder Quick Response Code dazu. Solche Informationen sind für die meisten Konsumenten wichtiger als die Postanschrift.

Dass auf der Website ein paar nett formulierte Sätze zum Betrieb und seinen Lagen stehen, versteht sich, gern aufgelockert durch die eine oder andere optische Spielerei. Noch wichtiger wären genauere Informationen zu den Lagen, der Weinbergs- und Kellerarbeit. Das lädt Kunden ein, sich die Seite genauer anzusehen. Erstaunlich viele Winzer nennen nicht einmal ihr Anbaugebiet. Im Shop ist eine Expertise jedes Weins nützlich. Eine aktualisierte Website ist so viel Wert wie eine Visitenkarte, ein Prospekt und eine Bezugsquelle zusammen – nur viel billiger.

 
 

Übersicht Social Media

Machen Sie sich sympathisch


Findige Winzer hängen gleich ein Tagebuch an die Seite. Ab und zu mal ein paar offene Worte zum Jahrgangsverlauf und den anstehenden Arbeiten sollte man seinen Kunden ruhig gönnen. Wenn es mal schwierig wird, wird sie sich mehr über ein gelöstes Problem freuen als über glatt geschliffene Sätze, in denen eigentlich jeder Jahrgang eine Traumernte ist. Wer dazu noch individuell auf Fragen aus dem Netz antwortet, hat schon fast den ganzen Kosmos der sozialen Medien verstanden. Jeder gibt so viel von sich preis, dass ihn die Leute als Person mögen können. Etwas marktwirtschaftlicher ausgedrückt: man hebt sich von der Konkurrenz ab.

Manche Winzer, wie der Österreicher Bernhard Fiedler, der seine follower fast wie in einer Ausbildung über jeden Schritt im Weinberg und Keller informiert, sind längst Kult. Dirk Würtz, Önologe des 46-Hektar-Betriebs Balthasar Ress im Rheingau hat es mit seinen Ansichten bis ins Fernsehen geschafft.

Statistisch gesehen sind fünf von acht Deutschen im Internet aktiv und verbringen monatlich rund sieben Stunden in sozialen Netzwerken. In anderen Industrieländern sieht es ähnlich aus. Die Kundschaft ist also online.

 
 

Freie Wahl im Universum


Solche zusätzlichen Vermarktungskanäle sollte man sich nicht entgehen lassen. Deren Liste wird zwar immer länger, die wichtigsten sind aber überschaubar. Facebook ist am bekanntesten und funktioniert quasi wie eine Website mit zeitlicher Dimension. In selbst gewählten Abständen teilt man seinen Freunden und der Welt mit, was einen gerade so umtreibt. Die potenzielle Reichweite ist enorm. Jeder fünfte Mensch auf der Welt ist mindestens einmal im Monat auf Facebook.

Mit wenigen Klicks organisiert man Treffen und Verkostungen. Die Information über die neue Abfüllung ist ruckzuck unter die Leute gebracht. Kein Vergleich zu einem Rundschreiben.

 
 
Faye Cardwell

Kommunikations-Expertin Faye Cardwell

„Obwohl Facebook für die meisten Leute kaum noch als persönliche Plattform taugt, kann man sich doch sehr schnell ein Bild von jemandem machen“, sagt Kommunikations-Expertin Faye Cardwell, „ich habe oft erlebt, dass Winzer und Importeure zusammen kommen. So spart man eine Menge Geld für repräsentative Veranstaltungen.“

Twitter erlaubt zwar nur sehr kurze Nachrichten und wirkt deshalb erst mal etwas unpraktisch. Aber hier wird deutlich mehr professionelle Information ausgetauscht. Follower sind oft inniger interessiert. Wer den richtigen Leuten folgt, bekommt auch selbst viel Input. Filtern kann man die Informationsflut mit hashtags, gezielten Schlagwortsuchen.

Google+ ist technisch mehr oder weniger ein Äquivalent zu Facebook, es gibt aber weniger private Inhalte. Verschiedene Gruppen lassen sich gut trennen.

Mehr Jobbörse, dafür auch deutlich nüchterner ist LinkedIn. Mit teils sehr genauen Selbstbeschreibungen wird hier vornehmlich von Schreibtisch zu Schreibtisch kommuniziert. Freiberufler bieten ihre Dienste an – und finden so nicht selten Auftraggeber.

Das Portal Xing versteht sich als Geschäftsnetzwerk im deutschsprachigen Raum. Hier stehen berufliche Kontakte und Stellenangebote im Vordergrund. Mitglieder können mit Hilfe der individuellen Netze sogar sehen, über welche gemeinsamen Kontakte sie mit jemandem verfügen, den sie noch nicht kennen.

Instagram, Pinterest, Flickr, Tumblr und noch einige andere Plattformen dienen zum Austausch von Bildern und Filmen, die immer wichtiger werden. Hört sich für den Winzer erst mal abseitig an. Besonders Pinterest ist aber viel frequentiert und steigert die Bekanntheit der Marke. Viele Bilder verwendet man ohnehin auf anderen Plattformen.

Egal welches Netzwerk man benutzt oder auch wie viele, einen Effekt erzielt nur, wer regelmäßig etwas beiträgt. Man muss erkennen können, was der Winzer macht. Bilder von der üppigen Ernte wirken ein halbes Jahr später uninteressant. Das System lebt von der Aktualität.

 
 

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