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Sie befinden sich hier: Internationale Fachmesse Weine und Spirituosen. News. ProWein Magazin. Thema des Monats. Dezember 2014: Die Schweiz – kleines Weinwunderland.

Die Schweiz – kleines Weinwunderland

Die Schweiz – kleines Weinwunderland

Ob Schokolade oder Uhren, was aus der Schweiz kommt, ist immer besonders gut und gründlich gemacht. Dafür ist sie weltbekannt. Schweizer Wein dagegen ist nicht unbedingt ein Exportschlager. Viel Aufwand und Sorgfalt braucht er trotzdem. Und die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn es nicht noch ein paar kleine Geheimnisse gäbe.

 
 

‚Schweizer Weine sind eher leicht und werden jung getrunken.’ Bei solchen Sätzen, die gern verallgemeinernd geschrieben werden, gefriert José Vouillamoz schon mal sein sonst so ansteckendes Lachen. Im Gegenteil, die Schweiz „ist ein kleines Wunderland des Weins“, sagt der Traubengenetiker und zerdrückt eine Chasselastraube zwischen Daumen und Zeigefinger. „Gesehen? Da läuft kein Tropfen raus.“

Was auf den ersten Blick wie eine Trotzreaktion wirkt, ist eine botanische Demonstration. Das Phänomen ist bei Weintrauben ziemlich einmalig und längst nicht die einzige Besonderheit Schweizer Weins. Vouillamoz, Mitautor des Standardwerks „Wine Grapes“, erforscht seit vielen Jahren Schweizer Rebsorten und hat einige autochthone Schätze zu Tage gefördert. Im Ausland sind diese Weine weitgehend unbekannt.

 
 

Weinberge in den Alpen

14.883 Hektar Anbaufläche sind für ein ganzes Land auch erst mal nicht viel. Doch die Schweiz ist klein und zerklüftet. Rund die Hälfte des Landes liegt in den Alpen, ein Drittel besteht aus Wald, ein weiteres Viertel aus unproduktiven Naturflächen, oft steilen Scharten.

Seit Millionen Jahren kollidieren hier die tektonischen Platten Europas und Afrikas, mit dem Ergebnis, dass Eismassen, Gletscher und 3350 Gipfel über 2000 Meter hoch liegen. Zu hoch für Weinbau. Die Bodenauflagen sind nicht sehr mächtig, so gerät der Wasserspiegel schnell ins Schwanken. Dazu kommen noch 1500 Seen und acht Millionen Einwohner – Tendenz steigend –, die die Schweiz zu einem dicht besiedelten Land machen.

Wen wundert’s, dass die Schweizer Weingärten in kleingliedrigen Strukturen zwischen Alpenhängen und Seeufern verstreut liegen. Die vielen Binnengewässer im Kanton Genf oder im Drei-Seen-Land sorgen oft für ein warmes Terroir und eine traumhafte Kulisse. Postkartenmotive von drallen Trauben mit Blick aufs tiefblaue Wasser und verschneite Gipfel muss man nicht lange suchen.

Durch die rege Tektonik haben sich in der Schweiz Boden und Grundgestein in Gletschern, Schlammlawinen und Felsstürzen stark vermischt und bieten so an vielen Stellen üppig mineralische Böden, die für Weinreben ideal sind.

 
 

Germanier Weinberge

Viel Abwechslung auf kleinem Raum

Die Bodenbeschaffenheit wechselt sehr schnell, sogar innerhalb einzelner Hanglagen unterscheidet sich der obere Bereich mitunter von der geologischen Situation am Fuß.

Auch die Traditionen in dem Land mit vier Landessprachen unterscheiden sich erheblich. Und das Beste: ein reicher Schatz an autochthonen Sorten, von denen viele selbst Kennern fremd vorkommen. Insgesamt wachsen über 200 Rebsorten in der Schweiz, nicht wenige davon nur auf ein paar Hektar. Das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft misst sogar die Rebfläche in Quadratmetern!

Klimatisch ist es in der Schweiz zunächst mal entscheidend, auf der welcher Seite der Alpen man steht. Im Norden ist es gemäßigt mitteleuropäisch und manchmal windig, an den Südhängen eher mediterran. Am Ufer des Tessiner Lago Maggiore wachsen Zwergpalmen.

Das Wetter hängt natürlich stark von der Höhenlage ab. Die Mittelgebirgsformation Jura bietet gute Voraussetzungen für den Weinbau. Doch selbst in den gebirgigsten Kantonen der Alpen wächst immer noch irgendwo Wein. Es gibt Anbauflächen in Gegenden, die man besser als Wintersportziele kennt.

Die Wettergegensätze führen zu recht wechselhaften Ernten. So verzögerte der nasskalte Frühling 2013 den Austrieb so sehr, dass am Ende die kleinste Ernte seit über dreißig Jahren eingefahren wurde. 16,5 Prozent weniger als im Vorjahr schmerzen. In einigen Regionen kamen örtliche Hagelschläge dazu, die mehr als die Hälfte der Ernte vernichteten.

 
 

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