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Geschichte des amerikanischen Weinbaus

Geschichte des amerikanischen Weinbaus

Jahr

Ereignis

Entwicklung im Weinbau

1000

Der Entdecker Leif Eriksson taucht vor der amerikanischen Küste auf, wahrscheinlich vor Neufundland, vielleicht fand er aber auch die Bucht von Massachusetts. Nach einigen Berichten war er von den dicken Trauben beeindruckt, die dort an den Bäumen hingen. Native amerikanische Trauben, botanisch vitis labrusca, sind für den Weinbau weitgehend ungeeignet. Eriksson nannte die Küste Vinland. Die Etymologie des Wortes ist unsicher.

Keine. Eriksson reiste wieder ab. Weder Besiedlung noch Weinbau setzten ein.

16. Jhd. 

Erste Siedler an der amerikanischen Ostküste versuchen sich im Weinbau und scheitern an den animalischen Fehltönen der amerikanischen Sorten. Versuche mit europäischen Reben scheitern, weil die Reblaus weit verbreitet ist und die mitgebrachten Weinstöcke daran eingehen. Mühsam werden Kreuzungen gezüchtet.

Erste, bescheidene Anbauerfolge

1769

Spanische Missionare gründen in San Diego eine Mission und bauen mitgebrachte Vitis vinifera-Reben an. Der Anbau ist problemlos, weil die Reblaus an der Westküste zu der Zeit unbekannt ist. Zudem begünstigt das kalifornische Klima den Anbau.

Kontinuierlicher Anbau mit wirtschaftlichen Erträgen etabliert sich in mehreren Staaten – nicht in Kalifornien. Es entstehen die Züchtungen Alexander, Concord und Catawba, die besonders in Ohio gut gedeiht und dem Ohio River den Beinamen „Der Rhein Amerikas“ beschert.

1849

Der Goldrausch setzt ein. Hunderttausende Goldsucher kommen nach Kalifornien und lösen eine Bevölkerungsexplosion aus. Unter den Neuankömmlingen sind Europäer, die heimische Reben wie Barbera und Grenache und Fachwissen zum Anbau mitbringen. Primitivo wird durch eine Namensverwechslung als Zinfandel eingeführt und passt sich dem Standort an.

Die Qualitäts-Rebsorten sind hochwillkommen in Kalifornien und geben einen ersten Qualitätsschub. Zinfandel wird zur wichtigsten Rebsorte mit quasi autochthonem Status. Bis zum Ende des Jahrhunderts verzehnfacht sich die Produktion auf 100 Millionen Liter. Andere Regionen verlieren an Bedeutung.

1919

Das Parlament der USA beschließt mit einer Verfassungsänderung ein landesweites Alkoholverbot, um die Kriminalität zu bekämpfen. De facto führt das zu mehr Alkoholproduktion als vorher, vornehmlich aber illegaler, billiger und nicht selten gesundheitsschädlicher Brände. Produktion und Verteilung übernimmt die neu gebildete Mafia. In Kalifornien müssen fast alle Weinbauern aufgeben. Weingärten werden großflächig gerodet. Nur einzelne Betriebe überleben, weil sie Weine für liturgische Zwecke herstellen.

An der Schwelle zum Weltmarkt bricht der kalifornische Weinbau de facto zusammen und der katastrophalen politischen Fehlentscheidung. Kulturflächen und Anbauwissen gehen in großem Maß verloren.

1933

Die Prohibition wird durch den 21. Verfassungs-Zusatz wieder aufgehoben.

Durch die Prohibition sind wertvolles Wissen und Wirtschaftskraft verloren gegangen. Die Weinindustrie ist für Jahrzehnte zerstört. Die Mafia bleibt.

1976

The Paris Judgement. In der französischen Hauptstadt organisiert der englische Weinkritiker Steven Spurrier eine Vergleichsprobe kalifornischer, Bordelaiser und burgundischer Spitzenweine. Juroren sind französische Journalisten. Die amerikanischen Weine gehen als Sieger hervor.

Die französische Weinkritik ist blamiert, der französische Wein düpiert, Kalifornien rückt in die Weltklasse des Weins auf. Die USA werden zum Exportland.

1983

Die AVAs treten in Kraft. American Viticultural Areas sind geschützte Herkünfte. In der Wahl der Rebsorten, der Anbau- und Kellertechnik lässt der Gesetzgeber den Winzern freie Wahl.

Durch Massenproduktion, Rationalisierung und uneingeschränkten Einsatz von Kellertechnik kann sich Kalifornien weiter auf dem internationalen Märkten für Massenweine behaupten.

2001

Kalifornien entwickelt als eins der ersten Länder der Welt eine Nachhaltigkeitsstrategie. Regularien beziehen sich auf alle Bereiche: Ökologie, Ökonomie, Gesellschaft. In den Folgejahren werden die Grundsätze durch gesammelte Erfahrungen immer weiter verbessert.

Vor allem im Export begegnet Kalifornien Ressentiments gegenüber technischen veränderten Weinen. Viele Betriebe lassen sich als nachhaltig zertifizieren.

Ab ca. 2006

Zunehmende Trockenheit und Überbeanspruchung der Wasserressourcen. In kalifornischen Staudämmen fehlen gigantische Wasserreserven. Der Grundwasserspiegel sinkt zum Teil dramatisch, was auch an der Bewässerung der Weinbauflächen liegt.

Das richtungsweisende Wassermanagement der nachhaltig arbeitenden Winzer kann die allgemeine Entwicklung nicht stoppen. Allerdings ist der kalifornische Weinbau vergleichsweise besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet als andere Regionen.

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