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Große Weine aus einem kleinen Land

Große Weine aus einem kleinen Land

Das neue EU-Mitglied Kroatien verfügt über ein eigenständiges Rebsortenspektrum – und sehr ausgeprägte Winzerpersönlichkeiten

 
 

Dass wegen des neuen Mitgliedes Kroatien das EU-Weinfass überlaufen wird, braucht niemand zu befürchten: Mit einer Gesamtproduktion von 1,4 Millionen Hektoliter (2012) und gerade einmal 39.000 Hektolitern Export gehört das 4,3- Millionen-Einwohner-Land zu den kleineren Weinproduzenten Europas. Aber: In den vergangenen zehn Jahren hat auch dort – gestützt auf große Investitionen in Weinberge und moderne Kellertechnologie – eine echte Qualitätsrevolution statt gefunden.

Winzer wie Andro Tomić, Vlado Krauthaker, Zlatan Plenković, Ivan Enjingi, Ivica Matošević, Velimir Korak, Gianfranco Kozlović oder Giorgio Clai haben bei internationalen Wettbewerben viele Preise abgeräumt und so der Welt gezeigt, über welches Potenzial der kroatische Weinbau verfügt. Auch auf der ProWein in Düsseldorf pilgern Händler, Sommeliers und Gastronomen auf der Suche nach neuen, authentischen Tropfen jenseits des Mainstreams seit einiger Zeit gerne an den Gemeinschaftsstand Kroatiens. Vom 23. – 25. März 2014 besteht in Halle 6 am Stand B 63 wieder Gelegenheit, echte Entdeckungen zu machen.

 
 

Weinberg auf der Insel Brac

Verlässliche Daten zum Weinland Kroatien zu bekommen ist nicht ganz einfach. Das Landwirtschaftsministerium gibt die Gesamtrebfläche mit 21.255 Hektar an (2013), das Nationale Statistikbüro geht von 32.485 Hektar aus; darin sind allerdings die vielen kleinen Privatweingärten enthalten, die vorwiegend der Hausweinerzeugung dienen. 83 Prozent der Winzer besitzen nicht mehr als einen Hektar. Über 240 Rebsorten werden angebaut. Bei den Weinfarben dominiert Weiß ganz klar mit 65 Prozent vor Rot mit 34 Prozent und Rosé mit nur einem Prozent. Zwar legen die Kroaten einen respektablen Pro-Kopf-Verbrauch von 28 Litern im Jahr vor - doch ein nicht unerheblicher Teil der Weinproduktion dürfte durch die Kehlen durstiger Touristen rinnen, die jeden Sommer zu Millionen die langgestreckte Küstenlinie Kroatiens und seiner Inseln bevölkern.

Die populärste Rebsorte mit mehr als 22 Prozent Gesamtanteil ist übrigens die Graševina (Welschriesling), gefolgt von Plavac Mali, Malvazija Istarska, Plavina, Debit, Riesling, Chardonnay, Merlot, Trbljan, Babić und Frankovka. Wie andere Balkanstaaten auch hat sich Kroatien einen großen Schatz autochthoner Rebsorten erhalten – mit ihnen wollen die ambitionierten Winzer künftig verstärkt auch international punkten.

 
 

Giorgio und Vesna Clai

Unter den vier Weinregionen Slawonien & Donau, Mittelkroatien, Dalmatien und Istrien & Kvarner ist letztere vielleicht jene mit der größten Dynamik in jüngster Zeit. Am besten illustriert dies die Geschichte von Giorgio Clai. Zwölf Jahre ist es her, dass der gebürtige Istrier sein Restaurant „La Pergola“ im italienischen Trieste aufgegeben hat, um in seinem Heimatdorf Krasica den Neustart als Winzer zu versuchen.

Was Giorgio heute je nach Jahr auf 20.000 bis 25.000 Flaschen zieht, ist schon „bastanza specifico“, also ziemlich speziell, wie der 56jährige im istrisch-venezianischen Dialekt erklärt. Der Autodidakt macht so ziemlich alles genau so, wie man es in der Weinbauschule nicht lernt: Im Rebgarten arbeitet er biodynamisch unter strenger Beachtung der Mondphasen, seine sechs Rebsorten auf sieben Hektar Land pflegt er von Hand, alle Trauben vergären spontan, selbst die weißen lässt Clai manchmal monatelang mit den Schalen im Holzfass mazerieren.

Was dabei herauskommt, mitunter zum eigenen Erstaunen des Winzers, sind sehr ausdrucksstrake „Orange Wines“. Der „Sveti Jakov“ zum Beispiel, reinsortig aus der autochthonen Malvazija Istarska gewonnen, duftet intensiv nach Agrumenschale, Aprikose, kandierten Früchten und Karamell, spürbare Tannine erobern den Gaumen mit Macht. Das salzig-mineralische Finish bleibt endlos haften. Clais „Ottocento“, ein Verschnitt aus Malvazija, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Gris kommt eckig-kantig, mit Mandel- und Walnußaromen, polyphenoler Struktur und großer Lebendigkeit auf der Zunge daher.

Verschmitzt lächelnd sitzt der Autodidakt dann auf der Bank im Schatten vor dem Haus, Gattin Vesna an der Seite, nimmt einen kräftigen Schluck „Sveti Jakov“ und genießt den weiten Blick über Weinberge, Olivenhaine, Obstgärten und Kalksteindörfer hinunter ans Meer bei Novigrad. Wie steht an Giorgios Hauswand zu lesen? - „Gottseidank bin ich in Istrien geboren!“

 
 

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