Themenartikel: Weinverpackung

Verpackungsinnovationen bei Wein und Spirituosen – von spannenden Neuigkeiten und aufgestylten Klassikern

Displays, Degustationsstände, Deckenhänger und Zweitplatzierungen als Marketingmaßnahmen werden immer teurer, gleichzeitig schrumpfen die Werbeetats. Für 80 Prozent der Waren im Einzelhandel ist die Verpackung das wichtigste Instrument, um Aufmerksamkeit zu erhalten. „Wo die Augen keinen Halt finden, da gehen auch die Füße vorbei“, so Claudia Rivinius, Leiterin Unternehmenskommunikation der STI Group, eines der führenden Unternehmen im Bereich Verpackung und Displays.  Auch bei Weinen und Spirituosen ist das Spektrum breit.

Neben fränkischem Bocksbeutel oder der klassischen Bordeaux- oder Burgunderflasche präsentiert sich Wein heute auch in der umweltfreundlichen PET (Polyethylenterephthalat)-Flasche, der praktischen Bag-in-Box-Verpackung, oder in einer preisgekrönten Designerflasche. Verpackungstrends und neue Entwicklungen präsentiert und diskutiert die Weinbranche alljährlich bei der ProWein, der internationalen Leitmesse für Weine und Spirituosen, in Düsseldorf. In den letzten Jahren sind einige interessante Verpackungsalternativen aufgekommen, allerdings wurden sie vom Verbraucher unterschiedlich gut angenommen.

Wein aus PET-Flaschen
Ein Bruch mit der Tradition, oder umweltschonende Innovation? Obwohl das Abfüllen von Wein in PET-Flaschen keine Weltneuheit mehr ist, wird es weiterhin in Fachkreisen diskutiert – ähnlich, wie bei der PET-Einführung im Mineralwassersegment. Fest steht, dass der Absatz der Plastikflaschen, speziell für Wein, zugenommen hat. Zu Beginn waren es vor allem Fluggesellschaften, die aus Gründen der Sicherheit und des geringeren Gewichts ihre Weine in PET-Flaschen abfüllen ließen.

Eine 0,7-Liter-PET-Flasche wiegt nur rund ein Zehntel ihres Pendants aus Glas und spart so in erheblichem Maße Kerosin und damit Kosten.  Doch auch für den Einzelhandel könnte die alternative Verpackung durchaus interessant werden, wie ein Blick nach Großbritannien zeigt. Marks & Spencer, eine der größten Supermarktketten im Königreich, stellte 2010 das komplette Sortiment Kleinflaschen (0,25 Liter) auf PET um.  Auch in den USA sind die leichteren Weinflaschen sehr beliebt. Besonders kleine 187-ml-Flaschen im Viererpack werden stark nachgefragt. 

Kritiker äußern Bedenken, der Wein sei in sauerstoffdurchlässigen PET-Flaschen weniger lang haltbar und verändere seinen Geschmack. Dem stehen jedoch moderne Verfahren zur Verbesserung der Gasdichtigkeit gegenüber, deren Wirksamkeit unter anderem von der Forschungsanstalt Geisenheim bestätigt wurden. Mittels eines aufwändigen Verfahrens können sauerstoffabsorbierende Materialien auf den Kunststoff aufgebracht werden, wodurch sowohl die Haltbarkeit gewährleistet, als auch eine sensorische Beeinflussung des Weins durch das PET vermieden werden kann.  Analytisch konnte sich, so Dr. Rainer Jung und Christian Schüssler, in Bezug auf die Gasdichtigkeit im Versuchszeitraum kein signifikanter Unterschied zwischen der klassischen Glasflasche und der beschichteten PET-Flasche feststellen lassen. Bei optimalen Lagerbedingungen ist die PET-Flasche durchaus auch für eine langfriste Weinlagerung geeignet, so die Geisenheimer Forscher.  Auch gesundheitliche Risiken bestehen nicht, wie das Deutsche Institut für Risikoforschung belegen konnte. 

Bag-in-Box-System
Wein im Schlauch, Schlauch im Karton; was sich im ersten Moment anhört, wie die Umweltsünde schlechthin, ist in Wirklichkeit eine umweltfreundliche Verpackungsalternative. Dabei handelt es sich beim Bag-in-Box-System um kein Novum. Schon 1955 erfand der US-amerikanische Chemiker William R. Scholle den Plastik- oder Aluminiumschlauch mit Zapfhahn im Karton mit Tragegriff; Weine werden seit 30 Jahren in dieses System abgefüllt. Neben den riesigen Varianten für Olivenöle oder Dressings mit einem Fassungsvolumen von bis zu 1.000 Litern, fasst die Bag-in-Box-Verpackung für den Endverbraucher in der Regel zwischen drei und zehn Liter.  Während Großabnehmer vor allem die Platzersparnis, die geringeren Lager- und Transportkosten für Leergut und die weitaus niedrigeren Anschaffungskosten schätzen dürften, liegen die Vorteile für den Endverbraucher laut Hersteller vor allem in der längeren Haltbarkeit bereits angebrochener Systeme.  Durch den luftdichten Verschluss und das „Immer-Voll-System“ soll eine gleichbleibende Weinqualität von bis zu sechs Wochen, auch nach dem Öffnen, gewährleistet sein.

Ein kleines Rechenbeispiel zeigt die Ersparnis auf, die mit dem Bag-in-Box-System erreicht werden kann: Will man 20 Liter Wein verpacken, kommt man auf etwa 1,70 Euro für die Verpackung. In klassischen Glasflaschen kostet die Verpackung des gleichen Volumens rund 6,40 Euro. 

Während die deutschen Weinkonsumenten dem Bag-in-Box-System noch skeptisch gegenüberstehen, wird Wein in Ländern wie Großbritannien, Australien, Neuseeland oder den skandinavischen Ländern bereits wesentlich häufiger in Schläuche im Pappkarton abgefüllt.   Gerade der hohe Norden kann mit einem Bag-in-Box-Anteil von über 50 Prozent als Vorreiter bezeichnet werden.  Ob sich dieser Trend auch in Deutschland durchsetzen kann, wird sich erst noch zeigen. Traditionsbewusste Produzenten, wie die Mitglieder des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter, werden sicher weiterhin in Glasflaschen abfüllen – auch, weil ihre Kunden es von ihnen erwarten.

Wein in Designer- (Glas)flaschen
Generell dominiert die klassische Glasflasche weiterhin das deutsche Weinregal. Doch Flasche ist nicht gleich Flasche. Neben den traditionellen Modellen wie dem Bocksbeutel, der Bordeaux-, der Burgunder- oder der Schlegelflasche , geht der Trend zunehmend hin zu ausgefallenen und ansprechenden Designerstücken. Vorreiter auf diesem Gebiet: die größte Weinkellerei Deutschlands, Peter Mertes, deren BREE-Weinlinie 2009 einen „red dot award“, den weltweit größten und wichtigsten Designaward, in der Kategorie „Kommunikationsdesign“ gewinnen konnte – als erster Wein im Lebensmitteleinzelhandel. „In der Weinwirtschaft wird allgemein Tradition groß geschrieben. Da viele Weine, nebeneinander im Regal, relativ ähnlich aussehen, ergab sich die Überlegung, eine Flasche so zu gestalten, dass sie sich aus der Masse der üblichen abhebt.“, erklärt Michael Willkomm, Gesellschafter bei Mertes. „Das Design der BREE-Flasche spricht insbesondere Frauen an“, so Willkomm weiter. „Diese greifen spontan ins Regal, um sich diese auffällige Flasche näher anzusehen. Die Satinierung wirkt sich positiv auf die Haptik aus und führt im Zusammenspiel mit der visuellen Differenziertheit – unserer Erfahrung nach – zu einem starken Kaufreiz.“ Dass der Wein in der Designerflasche zum absoluten Verkaufsschlager avancierte, zeigt ein Blick auf die Verkaufszahlen, die bei mittlerweile mehreren Millionen Flaschen pro Jahr liegen, so dass die Auflagengröße die etwas höheren Herstellungskosten zum Teil ausgleicht. Auch in Zukunft wird ProWein-Aussteller Mertes auf innovatives Design setzen: „Inzwischen haben wir einige neue Flaschenformen und Designs entwickelt, wobei der Schwerpunkt diesmal auf einen innovativen Flaschenverschluss gelegt wurde.“

Ebenfalls auf Design setzen die fünf jungen Winzer Knut Fader, Thorsten Krieger, Stefan Meyer, Marius Meyer und Christian Heußler aus Rhodt unter Rietburg in der Pfalz. Zusammen füllen die kreativen Köpfe ein stylisches Wein-Sixpack ab, bei dem jeder der fünf für einen Wein (Riesling, Chardonnay, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Rosé) zuständig ist. Die sechste Flasche wird von allen zusammen mit einem Gewürztraminer Cuvée befüllt. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass sich in Rhodt der älteste Weinberg der Welt befindet, der noch immer mit dieser Rebsorte bebaut wird.  Das pfälzer Sixpack ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Es fasst gleich sechs verschiedene Weine in der verbraucherfreundlichen Größe von 0,25 Liter und diese sind, anders als herkömmliche Weine, mit einem Kronkorken verschlossen. Das auffällige Design, welches stark an die Pop Art der 1950er und 1960er Jahre angelehnt ist, unterstreicht den unkomplizierten, jungen Charakter des Gebindes.  Die Rhodter Vielfalt wird so, laut Hersteller, zum auffälligen Partybegleiter oder zur idealen Grundlage für eine Weinprobe zuhause.

Schnaps zum Aufreißen
Auch vor Spirituosen machen neuartige Verpackungssysteme nicht halt. Das wohl ausgefallenste Beispiel kommt aus den USA und hört auf den Namen Pocket Shot. Whiskey, Rum, Vodka, Gin und Tequila werden hier in 50 ml-Beutel abgefüllt, die auf den ersten Blick an Infusionsbehälter aus dem Krankenhaus erinnern. Der Erfinder Jarrold Bachmann sieht in der widerstandsfähigen und formbaren Verpackung gleich mehrere Vorteile. Sie ist leichter, umweltfreundlicher und zudem auch noch auffälliger als die klassische Glasflasche, was sie laut Bachmann zum „idealen Begleiter für ältere Golfspieler und junge Extremsportler“ macht. Der Beutel, der in der Schweiz hergestellt wird, besteht aus drei Membranen: eine spezielle Innenschicht für den Kontakt mit dem Alkohol, eine weitere, die den Beutel reißfest macht und letztlich eine, die bedruckt werden kann und für den Hochglanz sorgt. In Zukunft sollen die Pocket Shots auch in anderen Geschmacksrichtungen, befüllt mit Mischgetränken und in verschiedenen Größen auf den Markt kommen.  Ob – und falls ja, wann – diese Verpackungsvariante auch in Deutschland Fuß fasst, muss sich noch zeigen. Klar ist: Die vielfältigen Verpackungsmöglichkeiten und -innovationen sind und bleiben auch bei Wein und Spirituosen ein spannendes Thema, das die Experten bei der ProWein weiterhin beschäftigen wird. Jedes Jahr im März treffen sich in Düsseldorf rund 4.000 Aussteller und 40.000 Fachbesucher aus aller Welt und verwandeln die Rheinmetropole für drei Tage in die „Welt-Hauptstadt“ des Weins, das nächste Mal vom 24. – 26. März 2013.

Die ProWein wird von der Messe Düsseldorf veranstaltet und ist die internationale Leitmesse für Weine und Spirituosen. Sie ist alljährlich im März Meeting Point und Business Plattform für die internationale Wein- und Spirituosenbranche. 4.000 Aussteller aus den international relevanten Weinbaunationen präsentieren sich in Düsseldorf mehr als 40.000 Fachleuten aus aller Welt.

Bildquellen:
• Bree Chardonnay : ©Peter Mertes
• Bree Merlot: © Peter Mertes
• Pocket Shots 1-4: © Pocketshot.net
• Rhodter Vielfalt: © Rhodter Vielfalt

Quellenverzeichnis:
• Aboutboxedwine: Boxed Wine in Europe. Verfügbar unter: http://www.aboutboxedwine.com/europe/ [Stand: 24.07.2012].
• Degen, Bernhard: Streitfrage: Wein in PET-Flaschen. In: falstaff (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.falstaff.at/weinartikel/streitfrage-wein-in-pet-flaschen-851.html [08.06.2010].
• Deutsches Weininstitut: Pressemeldung 31.07.2012: „Packaging und Personality im Fokus“.
• Gutbrod, Matthias: PET-Flaschen für Wein immer beliebter. In: K-Zeitung-Online (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.k-zeitung.de/PET-Flaschen+fuer+Wein+immer+beliebter/150/1084/33992/, [Stand: 18.07.2012].
• Hahn, Christoph: Pfiffige Idee aus der Pfalz: Wein im Sixpack. In: Weinlese-Seite.de. Verfügbar unter: http://www.weinlese-seite.de/2012/07/pfiffige-idee-aus-der-pfalz-wein-im-sixpack/ [20.07.2012].
• Jung, Dr. Rainer/ Schüssler, Christoph: Untersuchung von alternativen Verpackungsformen für Wein. In: Forschungsanstalt Geisenheim (Hrsg.): Kellerwirtschaft. Verfügbar unter: http://www.fa-gm.de/fachgebiet-kellerwirtschaft/forschung/laufende-projekte/untersuchung-von-alternativen-verpackungsformen-fuer-wein/index.html, [Stand: 23.07.2012].
• Lehmann, Lukas: Glas, PET und Wein. In: Prozesstechnik-online.de (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.prozesstechnik-online.de/messen/hannovermesse/-/article/31534493/37160869/Glas,-PET-und-Wein/art_co_INSTANCE_0000/maximized/ [27.04.2012].
• MC Bielefeld OWL: Innovative Verpackungslösungen, In: Deutscher Marketing-Verband (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.marketingverband.de/aktuelle-news/club-berichte/einzelansicht/browse/4/article/389/innovative-verpackungsloesungen/?cHash=ac442a091f [23.03.2011].
• Mertes, Peter: Pressemeldung Oktober 2009: „BREE von Peter Mertes: Erster Wein im LEH mit red dot-Auszeichnung“.
• Minges, Bernd: Wein aus PET-Flaschen und Bechern. In: Wiesbadener Kurier (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/9753087.htm [18.12.2010].
• Pocket Shot: About us. Verfügbar unter: http://www.pocketshot.net/about-us.php [Stand: 02.08.2012].
• Rekru GmbH: Bag-in-Box Beutel 3, 5, 10 und 20 l. Verfügbar unter: http://www.rekru.de/product_info.php?products_id=Bag-in-Box-Beutel-3,-5-und-10-l-924 [Stand: 23.07.2012].
• Scholle Packaging: Wine & Spirits. Verfügbar unter: http://www.scholle.com/applications/wine-spirits/ [Stand: 24.07.2012].
• Schweizer, Ulrich: Weinwissen. FALKEN Verlag, Niedernhausen/Ts., 1999. S. 73f..
• Trauthig, Julian: Boomender Bag-in-Box-Markt. Wenn Wein gezapft wird. In: Spiegel Online (Hrsg.), Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/boomender-bag-in-box-markt-wenn-wein-gezapft-wird-a-646380.html [03.09.2009].

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