Themenartikel: China zu Gast auf der ProWein

Ein Gesamtweinkonsum von 14 Millionen Hektolitern und Wachstumsraten von 73 Prozent im Bereich der weinimportierenden Unternehmen – China drängt zunehmend in die Spitze des internationalen Weinmarktes und zeigt Präsenz bei der internationalen Leitmesse für Weine und Spirituosen, ProWein, in Düsseldorf.

 

 

Wer an Spitzenweine denkt, dem fallen Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien ein. China spielte lange Zeit sowohl als Import-, als auch als Exportland für Wein nahezu keine Rolle. Dass sich das bevölkerungsreichste Land der Welt jedoch zunehmend als Weinnation etabliert, bahnt sich schon seit einiger Zeit an und wird zunehmend von aktuellen Statistiken belegt. Diesen Trend spüren auch die Macher der ProWein, der internationalen Leitmesse für Wein und Spirituosen, bei der China verstärkt Präsenz zeigt.

 

China als Weinproduzent
Welches das Ursprungsland des Weins ist, ist schwer zu sagen. Fest steht, dass Forscher ein über 9000 Jahre altes Gefäß mit vergorenen Traubenrückständen in China fanden.  Den Grundstein für die moderne Weinproduktion in China legte der erfolgreiche Unternehmer Zhang Bisi , als er 1892 die „Zhang Yu Wine Company“ gründete, die heute unter dem Namen Changyu bekannt ist. Wirtschaftlich hatte das Unternehmen vor allem während der Bürgerkriege stark zu kämpfen. Heute ist es der größte Weinproduzent der Volksrepublik.

Vielfach haben Weine aus China mit Vorurteilen bezüglich Geschmack und Qualität zu kämpfen. Mittlerweile haben es jedoch einige von ihnen in die Liste der Top-Weine weltweit geschafft. Dieser Erfolg lässt sich vor allem mit der stetigen Professionalisierung der dortigen Weingüter erklären. Hierzu kauften die Chinesen in den vergangenen Jahren zunehmend Fachwissen in Person von önologischen Unternehmensberatern und geschulten Kellermeistern, zumeist aus dem europäischen Ausland ein. Einen ersten großen Erfolg verbuchten die chinesischen Weinproduzenten, als die Airline Cathay Pacific in ihrer First-Class von Dezember 2008 bis Februar 2009 Rotwein aus China servierte.

Im September 2011 konnte sich dann erstmals ein chinesischer Wein bei den Decanter World Wine Awards, einer wichtigen internationalen Auszeichnung, durchsetzen. Gewinner der Kategorie der „Roten über 10 britischen Pfund“ war das Jia-Bei-Lan Cabernet Cuvée aus dem Jahr 2009 vom Weingut He Lan Qing Xue. Die Jury urteilte: „geschmeidig, anmutig und reif, aber nicht protzig, mit ausgezeichneter Länge und kräftigen Tanninen“.

 

Konsummacht China
Chinas Weinkonsum steigt stetig an. Mit 14,3 Mio. hl in 2010 belegt die Volksrepublik zur Zeit Platz fünf der Weltrangliste. Auf dem selben Level bewegt sich das Land auch hinsichtlich der Rebflächen.  Trotz der großen eigenen Anbaugebiete, ist China auch zu einem wichtigen und für internationale Anbieter spannenden Importmarkt für Wein aufgestiegen. In 2011 betrug der Anteil von importiertem Wein (in Flaschen) am Gesamtweinkonsum 17 Prozent, was umgerechnet rund 241 Mio. Litern entspricht. Von 2010 zu 2011 war das eine Steigerung um 65 Prozent.  In der ersten Jahreshälfte 2012 stellt Chinas Weinimport neue Rekorde auf: 200 Millionen Liter Wein wurden importiert, was einer Steigerung von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.  Bevorzugt beziehen die Chinesen ihren Wein aus unserem Nachbarland Frankreich, gefolgt von Australien. Besonders beachtlich ist nach Einschätzung der Marktforscher der niederländischen Rabobank der Durchschnittspreis, den Chinesen bereit sind, für französische Weine zu zahlen. Nach einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, liegt dieser bei 5,99 USD. 

Auch deutsche Weine sind auf dem Markt in Fernost sehr gefragt. Von 2002-2009 sind die Importe von Wein aus Deutschland um 886,7 Prozent gestiegen.  In 2011 rückte China nach Angaben des Deutschen Weininstituts mit einem Wertzuwachs von 19 Prozent auf Platz acht der wichtigsten Exportmärkte für deutschen Wein vor und hat damit Japan als bislang wichtigsten asiatischen Exportmarkt abgelöst.

Im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichte die ProWein die Ergebnisse einer beim Londoner Marktforschungsunternehmen Wine Intelligence beauftragten internationalen Studie zum Thema „idealer Wein“. Untersucht wurde, welche Attribute für Konsumenten von besonderer Bedeutung sind und inwiefern die Präferenzen der Verbraucher in verschiedenen Ländern variieren. Hierzu befragten die Briten Weinkonsumenten in Großbritannien, den USA, Deutschland und China zu Themen wie Preis, Verpackung, favorisierte Rebsorte und bevorzugter Alkoholgehalt.

International im Trend sind Weine mit geringeren Alkoholwerten. China stellt hier keine Ausnahme dar. 91 Prozent der befragten chinesischen Weinkonsumenten achten demnach beim Kauf ihres Weins auf den Alkoholgehalt und die meisten chinesischen Verbraucher bevorzugen Wein mit einem Alkoholgehalt im Bereich von 8,5 bis 10,5 Prozent.

Rotwein ist in China am beliebtesten, 79 Prozent der Befragten entscheiden sich für die traditionelle „Glücksfarbe“ des Landes. Die bevorzugte Rebsorte dabei ist Cabernet Sauvignon. Weit abgeschlagen folgt Rosé (Cabernet Sauvignon rosé) mit 10 Prozent, weißer Wein (Chardonnay) spielt eine noch geringere Rolle. Neben der Farbe des Weins, die für 94 Prozent der Befragten bei der Kaufentscheidung von großer Wichtigkeit ist, wird diese vor allem durch die Verpackung (100%) und den Preis (98%) bestimmt.

 

China und die ProWein
Um sich als attraktiven Geschäftspartner und lukrativen Importmarkt noch stärker zu positionieren, bauen die Chinesen ihre Handelsbeziehungen immer weiter aus. Die perfekte Bühne hierfür bietet die Leitmesse ProWein, die jährlich in Düsseldorf stattfindet. Auf der führenden Fachmesse für Weine und Spirituosen treffen sich seit 1994 internationale Experten zu länderübergreifenden Gesprächen und Geschäften. Die ProWein 2012 vereinte im vergangenen März fast 4.000 Aussteller aus rund 50 Ländern und mehr als 40.000 Fachbesucher aus aller Welt. Alle international relevanten Weinnationen waren vertreten und auch chinesischer Wein wurde auf der Messe vorgestellt, ebenso wie der traditionsreiche chinesische Luxusschnaps Moutai, den eine Gemeinschaftsbeteiligung aus der Provinz Guizhou den internationalen Fachbesuchern präsentierte. Auch zur kommenden Veranstaltung werden sowohl chinesische Produzenten (als Aussteller) als auch zahlreiche Händler und Importeure aus dem „Reich der Mitte“ in Düsseldorf erwartet.

Gleichzeitig macht auch die ProWein einen großen Schritt nach Fernost. In Kooperation mit dem Meininger Verlag organisieren die Düsseldorfer ein hochkarätiges Verkostungs- und Seminarangebot in der Weinhalle „Wine & Spirits“ auf der FHC China 2012, Chinas führender Fachmesse für importierte Lebensmittel. In der „ProWine Tasting Zone“ können die chinesischen Importeure vom 14. bis 16. November in Shanghai auf rund 500 Quadratmetern ca. 300 internationale Weine, allesamt Siegerweine des großen internationalen Weinpreises MUNDUS VINI 2012, verkosten. Für die Importeure ist dies der ideale Rahmen, um ihren Durst nach internationaler Vielfalt zu stillen, für die die Messe ProWein wie keine andere steht.

 

Die nächste ProWein findet vom 24. – 26. März 2013 auf dem Düsseldorfer Messegelände statt und wartet mit einer neuen Hallenstruktur sowie zwei zusätzlichen Ausstellungshallen auf.
Die ProWein wird von der Messe Düsseldorf veranstaltet und ist die internationale Leitmesse für Weine und Spirituosen. Sie ist alljährlich im März Meeting Point und Business Plattform für die internationale Wein- und Spirituosenbranche. 4.000 Aussteller aus den international relevanten Weinbaunationen präsentieren sich in Düsseldorf mehr als 40.000 Fachleuten aus aller Welt.

 

Quellenverzeichnis:
• Capital China: Der China-Aktienbrief. Changyu. Verfügbar unter: http://www.capitalchina.de/?xmls=German/web/newsshow.html&id=216 [Stand 17.06.2012]
• Deutsches Weininstitut (a): Deutscher Wein. Statistik 2011/2012. Verfügbar unter: http://www.deutscheweine.de/icc/Internet-DE/med/dad/dad858bb-3953-3100-6c0c-f16f135e25d9,11111111-1111-1111-1111-111111111111.pdf. [Stand: 18.06.2012]
• Deutsches Weininstitut (b): Weinexporte 2011 nach kleiner Ernte erwartungsgemäß gesunken. Verfügbar unter: http://www.deutscheweine.de/icc/Internet-DE/nav/eb8/eb8708fd-e785-7401-be59-267b48205846&uCon=83e5e1e0-e0eb-5318-0ca3-ed46f135e25d&uTem=d5304ee7-4f03-d212-517b-6624c41ed8b2¤tpage=3 [27.02.2012]
• Firlus, Thorsten: Chinesen mischen den Weinmarkt auf. In: Wirtschafts Woche, Verfügbar unter: http://www.wiwo.de/politik/ausland/rotwein-chinesen-mischen-den-weinmarkt-auf/6193226.html, 26.02.2012.
• Hörschgen, Eva: In China war´s schon vor 9000 Jahren feucht-fröhlich. Verfügbar unter: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/247209.html, 07.12.2004
• IHK Pfalz: Volksrepublik China – Branchenberichte. Weinmarkt China. In: IHK Pfalz online. Verfügbar unter: http://www.pfalz.ihk24.de/international/Greater_China/China/China_-_Services/Analysen_und_Branchenberichte/581268/Weinmarkt_China.html [Stand: 13.06.2012]
• Marketwatch: Rabobank Report: China Wine Market – „Mind the gap“, Verfügbar unter: http://www.marketwatch.com/story/rabobank-report-china-wine-market-mind-the-gap-2012-05-29 [29.05.2012]
• Martin, Bernd: Grenzüberschreitende Indentitäten: Nationalismus und Chinesische Diaspora. In: Rehbein, Boike; Rüland, Jürgen; Schlehe, Judith (Hrsg.), Identitätsbildung und Interkulturalität in Asien. Multidisziplinäres Mosaik. Lit Verlag, Berlin, 2006, S. 73-93.
• ProWein: Pressemeldung Nr. 3/August 2012: „ProWein goes China: „ProWein Tasting Zone“ im November in Shanghai“.
• Radio China International: Webcast. Verfügbar unter: mms://webcast.cri.cn/berlin/webcast/20110930-1.wma
• Shiyun, Wu: Changyu und seine internationale Weingut-Allianz, Verfügbar unter:  http://german.cri.cn/1833/2012/04/02/1s174318.htm, 02.04.2012
• Wein-ABC: Decanter World Wine Awards. Jury findet den besten Wein in … China!: Verfügbar unter: http://www.wein-abc.de/news/index.php?idcontent=155, 14.09.2011.
• Weinwirtschaft: China wächst zweitstellig, in Ausgabe 12/2012
• Wine Intelligence 2012: What is your ideal wine? Research in the UK, USA, Germany and China., Reporting for ProWein, 2012

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