15/12/2009

Spanien startet mit Optimismus in die ProWein 2010

Spanien ist zur ProWein 2010 mit einem breiten Aufgebot vertreten. Für Aufmerksamkeit werden die vielen Weinen aus Levante sorgen, die an den Gemeinschaftsständen zu verkosten sind. Die urspanische Sorte Monastrell (in Frankreich als Mouvèdre bekannt) entpuppt sich als wichtiger Qualitätsträger einer neuen Generation an Rotweinen, die mit ihrer üppigen Frucht und ansprechender Weichheit sowie einem oftmals moderaten bis sehr günstigen Preisniveau zu überzeugen wissen. Traditioneller Anziehungspunkt werden auch Aussteller aus Kastilien & León sein, die eine bedeutende Anzahl an Neuheiten vorzustellen haben. Besonderes Augenmerk sollte dabei den immer noch weitgehend unbekannten Appellationen Arlanza, Arribes, Tierra de León und Tierra del Vino de Zamora gelten. Diese neuen Qualitätsweingebiete, denen erst 2007 ein offizieller D.O.-Status zuerkannt wurde, werden in diesem Jahr mehr Weine denn je vorstellen. Als lohnenswertes Verkostungsfeld mag auch das hochgerühmte Priorato dienen, denn der kühle Jahrgang 2007 hat dem warmen Gebiet gut getan. Dabei sollte man es jedoch nicht nur bei dieser einen katalanischen Renommierappellation bewenden lassen. Der kleine Nachbar Montsant hat gerade in den letzten Jahren qualitativ erstaunliches geleistet und bietet sich mit seinen satten Rotweinen nun als ideale Alternative an, vor allem auch was das überzeugende Preisgefüge angeht.

Im Licht dieses Jahrganges verspricht auch das andalusische Angebot interessant zu werden. Vom großen Publikum immer noch unbemerkt, hat sich inzwischen auch im andalusischen Inland einiges getan. Eine stattliche Anzahl an Erzeugern produziert bereits fernab von den Klassikern aus Jerez, Málaga und Montilla bemerkenswerte „normale“ Tischweine, wobei das Gros auf modern ausgebaute Rotweine entfällt.

Verkostungen des Spanischen Instituts für Außenhandel ICEX

Nach dem vielbeachteten Auftakt im vergangenen Jahr wird sich das Spanische Außenhandelsinstitut (ICEX) zur ProWein 2010 wieder mit einem großen Verkostungsareal präsentieren. Nach dem großen Erfolg der thematischen Tastings, die sich u. a. mit Weinen und ihren Bodenstrukturen oder auch mit den spezifischen Klimaverhältnissen des Landes beschäftigten, darf man auch zur ProWein 2010 auf das Angebot an kommentierten Verkostungen gespannt sei. Rechnen kann man mit interessanten Gebietspräsentationen, die zur ProWein wieder stärker im Fokus stehen werden. Dabei werden vor allem Anbaugebiete ins Rampenlicht gestellt, die den meisten Fachbesuchern wenig geläufig sind, wie es beispielsweise bei den schon erwähnten levantinischen Anbaugebieten der Fall ist.

Absatztrend für spanische Weine geht nach oben

Der spanische Weinsektor hat ein durchwachsenes Jahr 2009 hinter sich. Vor dem Hintergrund der verschärften Wirtschaftskrise im eigenen Lande, ging der Weinabsatz in Spanien selbst deutlich zurück. Insbesondere das Gastronomie- und Hotelgewerbe sowie der Fachhandel verbuchten klare Einbußen gegenüber dem Vorjahr. Der Lebensmittelhandel hielt sich dagegen überraschend gut. Auch das Exportgeschäft durchschritt in den ersten Monaten ein merkliches Tal, bevor die heiß ersehnte Trendwende im zweiten Halbjahr die Zahlen wieder zu Recht rückte. Insgesamt musste zum Jahresende 2009 dennoch ein Minus bei den Gesamtexportergebnissen in Kauf genommen werden. Nichtsdestotrotz zeigt der Absatztrend für spanische Weine auf den internationalen Märkten wieder nach oben, was zu moderat optimistischen Erwartungen für die spanischen Exporte in diesem Jahr geführt hat.

Positiv ist zudem die Ernte des vergangenen Jahres zu bewerten. Zunächst ging man in Spanien von einer komplizierten Lese aus, denn die Vorraussetzungen waren insbesondere in der gesamten Südhälfte alles andere als optimal. Insgesamt waren das späte Frühjahr sowie der Sommer von hohen Temperaturen geprägt, und die anhaltende Trockenheit bedrohte die Qualität des Lesegutes in fast allen Teilen des Landes. Im Norden der Makroappellation La Mancha hatten Spätfröste zusätzlich für eine Ertragsminderung gesorgt. Ein sehr früher Erntebeginn läutete den vergangenen Herbst ein, die Lese musste aber vielerorts wegen starker Regenfälle im September unterbrochen werden. Aufgrund der sehr guten Bedingungen in der zweiten Septemberhälfte sowie der ersten beiden Wochen im Oktober geht man inzwischen von einem qualitativ sehr guten Jahrgang aus. Besonders auffällig war die hervorragende Qualität des Lesegutes, welches reif und herrlich gesund eingeholt werden konnte. Viele der renommierten Anbaugebiete wie Rioja, Bierzo und Ribera del Duero in Kastilien und León oder auch die galizischen Appellationen im Nordwesten haben überdurchschnittliche Qualität in den Kellern liegen. Die Menge fiel dagegen wesentlich geringer als im Vorjahr aus, was die Produzenten erst mal durchatmen ließ.

Die aktuellen Jahrgänge

Spaniens Produzenten werden zur ProWein 2010 schwerpunktmäßig Weine aus 2006 und 2007 vorstellen, unter den Jungweinen wird vor allem 2008 dominieren. 2006 gilt als gutes, ja solides Jahr, ohne dass man von herausragenden Weinen sprechen möchte. Katalonien weist dabei generell gute Qualität auf. Auch einige der Appellationen der nördlichen Hochebene, sprich Castilla y León können mit sehr gut gelungenen Weinen aufwarten.

Der Jahrgang 2007 verlangt vor allem besondere Aufmerksamkeit für die Rioja. Dort verzeichnete man eine sehr gute Lese, welche eine Fülle von feinen und eleganten Weinen in bester traditioneller Rioja-Manier hervorgebracht hat. Beide, 2007 und 2008, bilden den sogenannten Cool-Climate-Block, der den Spaniern ungewöhnlich frische, sehr fruchtige und angenehm schlanke Weine beschert hat. Liebhaber der Eleganz werden also auch mit spanischen Gewächsen auf ihre Kosten kommen.

2005, 2006 und 2009 müssen dagegen als mediterrane bzw. typisch südeuropäische Jahrgänge eingestuft werden. Wer sich für das großartige 2005er Jahr interessiert, wird sicherlich noch den einen oder anderen Nachzügler im Premiumbereich ausfindig machen, der jetzt erst freigestellt wird.

Der Autor David Schwarzwälder ist Spanienkorrespondent für die Zeitschriften Weinwirtschaft, Weinwelt, Sommelier Magazin (Meininger Verlag) und schreibt u.a. auch für den Feinschmecker, Weingourmet sowie für diverse spanische Magazine.