20.12.2007

Italien präsentiert sich mit großen Jahrgängen zur ProWein 2008

„Deutschland bleibt der bedeutendste und wichtigste Exportmarkt der Italiener“, sagt Emilio Pedron, Geschäftsführer der Gruppo Italiano Vini (GIV). Eine gewichtige Aussage, denn die GIV ist der größte Qualitätsweinerzeuger Italiens mit Weinbergen von Sizilien bis zum Piemont; mehr als 20 Mill. Flaschen verkauft sie pro Jahr in Deutschland. Viele kleine und mittelgroße Erzeuger stimmen Pedron zu. So verwundert es nicht, dass Italien mit mehr als 500 Ausstellern aus allen Anbaugebieten auch zur ProWein 2008 wieder das zweitgrößte Ausstellerland nach Deutschland sein wird.

Fachbesucher der ProWein 2008 finden zu Italien überwiegend Stände von bestimmten Regionen bzw. Produzentenvereinigungen oder Konsortien. Speziell die Norditaliener nutzen diese Möglichkeit der gemeinschaftlichen Messeteilnahme. So präsentiert die Region Friaul die Weine der DOC-Regionen Collio, Colli Orientali Friuli, Isonzo sowie Grave Friuli und stellt deren Besonderheiten in geführten Verkostungen vor. Auch die Winzer aus dem bergigen Südtirol und dem Trentino sind in großer Zahl mit von der Partie. Unter ihnen sind renommierte Weingüter wie Alois Lageder (Südtirol) oder Jermann (Friaul), sowie Großkellereien à la Gruppe La Vis oder Cavit, die zu den zehn größten italienischen Weinfirmen zählen.

Preise rauf bei beliebten Norditalienern
Für Diskussionsstoff während der ProWein ist reichlich gesorgt, denn der Pinot Grigio, der in diesen Regionen und dem weitläufigen Venetien hauptsächlich angebaut wird, ist deutlich im Preis gestiegen. Bei der Herkunft Pinot Grigio IGT delle Venezie hat sich der Einkaufspreis für Fassware von September 2006 (ca. 70 €/hl) bis heute (ca. 150 €/hl) mehr als verdoppelt. Gleiches gilt für den Prosecco IGT, der nur im östlichen Venetien angebaut wird, und auch der Chianti DOCG aus der Toskana ist im Preis im Vergleich zum Vorjahr spürbar nach oben gegangen. Wie viel davon an den Verbraucher weiter gegeben wird, ist die spannende Frage, die es Anfang des Jahres zu beantworten gilt. Wohlgemerkt: dies betrifft in erster Linie die großen Mengenkontrakte, die in den Supermärkten verkauft werden und nicht die Weingüter, die eigene Weinberge besitzen. Hier kündigen sich allenfalls moderate Preissteigerungen im einstelligen Prozentbereich an. „Eine zu kleine Erntemenge ist nicht für die Preissteigerungen beim Pinot Grigio und Prosecco verantwortlich, denn diese lag im Nordosten auf Vorjahresniveau“, sagt Andrea Sartori, Geschäftsführer von Sartori Wines und Präsident des nationalen Weinverbandes Unione Italiana Vini (UIV). Als Gründe werden von den Marktteilnehmern die gestiegene Nachfrage aus Ländern wie Amerika und Asien genannt und die positiven Auswirkungen der zunehmenden Weinkontrollen seitens der staatlichen Behörden.

Kleine Weinernte und große Jahrgänge
Dass Italiens Weinernte 2007 mit nur 41 Mill. hl so klein ausgefallen ist wie seit 60 Jahren nicht mehr, liegt an den erheblichen Ernteausfällen in Sizilien und Apulien. Das langjährige Mittel liegt bei 50 Mill. hl Wein. Wie die Qualität von Region zu Region ausgefallen ist, wird erst nach der ProWein als erste Messe im Jahreszyklus zu beurteilen sein. Die offiziellen italienischen Stellen sprechen von einer guten Ernte im Norden und einem schwierigeren Jahr im Süden.

Von einem herausragenden Jahrgang 2007 - noch besser als der legendäre 90iger - schwärmen die Winzer im Barolo-Gebiet nahe der Stadt Alba im Piemont. Nach dem erfolgreichen ProWein-Auftritt im letzten Jahr kommt das Konsortium mit einer auf 40 Betriebe gewachsenen Zahl von Weingütern nach Düsseldorf. Zu kosten gibt es aktuell den Barolo 2004 und beim Konsortium des Brunello di Montalcino, dem zweiten „Icon wine“ der italienischen Weinwirtschaft, wartet der heiße 2003er Jahrgang auf die Besucher. „Wir spüren, dass Interesse an den Topweinen vorhanden ist, doch Konsument und Handel schauen heute viel genauer hin als noch vor einigen Jahren“, sagt Stephan Pellegrini, Agentur Pellegrini & Grundmann.

Italienische Weinwirtschaft trifft sich zur ProWein
„Nicht nur deutsche Fachbesucher, sondern auch Einkäufer aus Benelux, Großbritannien und Skandinavien nutzen bei der ProWein den Vorteil des kurzen Weges“, sagt Giuseppe Liberatore, Direktor des bekannten Chianti Classico Konsortiums und ergänzt: „Die ProWein ist das qualitativ hochwertigste und umfassendste Stelldichein der italienischen Weinwirtschaft nördlich der Alpen.“ Das Argument zieht: Ob bei einer der bekannten Agenturen wie Antonio Zangara aus Rom, GES Sorrentino aus Delmenhorst bzw. Pellegrini & Grundmann aus Landau oder im gut organisierten Club Italia, es gibt kaum einen exportwilligen Erzeuger, den man nicht mit seinen Weinen auf der ProWein ausfindig machen können. Denn Italiens Anteil am deutschen Weinkonsum ist immens. Viele Erzeuger sind seit zwanzig und mehr Jahren hier zuhause. Dass in den letzten 10 Jahren eine große Welle an neuen Betrieben aus Süditalien und den bekannten DOCG-Gebieten im Norden den Markt durchdrungen hat, sorgt für ein anhaltendes Interesse der Deutschen an Italien. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass Italien mit 664 Mill. importierten Liter Wein (+8,9%) die beiden Verfolger Frankreich und Spanien mit jeweils rund 240 Mill. Liter weit hinter sich lässt (Zeitraum Sept. 06 – Aug. 07, Deutscher Weinbauverband). Insgesamt hält Italien damit einen Marktanteil beim Import von 44,7% Erfreulich ist für die Italiener, dass der Durchschnittspreis ebenfalls gestiegen ist (107 €/hl, +10,9%).

Die italienische Weinwirtschaft im Überblick:
Von den 800.000 Traubenerzeugern (Azienda Agricola) vermarkten ca. 30.000 Betriebe Flaschenwein. Rund 1.200 Unternehmen exportieren ihren Wein. Dies summiert sich zu einer Gesamtmenge von 14-17 Mill. hl. Das ist mehr als alle deutschen Winzer zusammen pro Jahr erzeugen (9-10 Mill. hl). Produziert werden im Mittel ca. 50 Mill. hl Wein, und dies von einer Weinbergsfläche von 755.000 ha (Quelle Federdoc). Noch im Umlauf befindliche Statistiken mit mehr als 900.000 ha sind längst überholt und stammen von Erhebungen zu Beginn der 90iger Jahre.

Der Autor, Steffen Maus, ist als freier Journalist für verschiedene Weinpublikationen tätig.