09.01.2009

Italien hält hohe Marktanteile

Italienische Winzer nutzen ProWein zur Intensivierung ihrer Exportgeschäfte

Farbenfroh und vielfältig ist die Leistungsschau der italienischen Weinwirtschaft zur Prowein 2009. Mit mehr als 700 Ausstellern stellt Italien erneut das größte Kontingent nach Deutschland. Der Bogen spannt sich vom kleinen „Bergweinstaat“ Südtirol im Norden bis hinunter ins sonnige Sizilien. Lang ist die Liste der bekannten Winzerpersönlichkeiten wie Alois Lageder oder Francesca Planeta, die ihre neuen Jahrgänge persönlich vorstellen. Viele Winzer sind im Club Italia, beim Italienischen Institut für Außenhandel I.C.E. oder bei den Italienspezialisten wie Pellegrini, Saffer Wein, Weinvision, GES Sorrentino bzw. den in Italien ansässigen Agenturen Palorino, Export Union Italia, Enobis oder Antonio Zangara anzutreffen. Unverzichtbar ist die Messe auch für die Marktführer wie die Gruppo Italiano Vini (GIV), Cavit und Gruppo La Vis aus dem Trentino bzw. Zonin und Botter Vini aus dem Veneto.

Was bewegt die Winzer südlich der Alpen?
Werden die Winzer aus Italien nach ihrer Einschätzung zum Jahresverlauf 2009 befragt, schwingt häufig die aktuelle Wirtschaftslage mit. „Die Veränderungen wirken sich auf alle Märkte aus, sogar in den neuen Märkten Indien oder Russland ist ein verändertes Einkaufverhalten zu spüren“, sagt Emilio Pedron, Geschäftsführer der Gruppo Italiano Vini (GIV), dem größten Qualitätsweinerzeuger Italiens. In den nächsten Jahren ginge es in erster Linie um die Verteidigung der Marktanteile auf den wichtigen Märkten der Italiener. Dies sind Deutschland und die USA, gefolgt von England. In zweiter Reihe folgen dann erst Kanada, Schweiz, Skandinavien, Benelux und Japan. „Wir spüren in allen Märkten die Auswirkungen der Finanzkrise, wobei der deutsche Markt sich von allen noch am besten hält“, ergänzt Pedron, der im GIV Deutschlandbüro weitere Mitarbeiter einstellen wird und damit klare Prioritäten setzt. Export ist ein weites Feld, zum Beispiel trinken Verbraucher in Indien, Russland und China in Summe etwas weniger italienischen Wein als die kleine Alpenrepublik Österreich. (Exportzahlen 1. Halbjahr 2008, Quelle: Corriere Vinicolo). Trinken die Brasilianer sehr gerne den Lambrusco Perlwein, so ist bei vielen Russen der Asti Spumante angesagt und natürlich das Segment der Topweine

Menge und Qualität in Italien
Gute Nachrichten gibt es dagegen für die preisbewussten Konsumenten, die ihren Wein im Supermarkt kaufen. Dort werden die Preise für die bekannten Herkünfte Prosecco und Pinot Grigio aus Venetien, den Chianti, den Montepulciano d’Abruzzo oder den Nero d’Avola (Sizilien) im nächsten Jahr eher nachgeben als anziehen. „Denn das Angebot ist allerorten vorhanden, und die Nachfrage hinkt weltweit etwas hinterher“, schätzt Andrea Sartori in der augenblicklichen Situation. Dabei haben die Italiener mit 45,5 Mill. hl die zweite kleine Ernte in Folge eingefahren, nach den 42,5 Mill. hl in 2007 und noch 49,5 Mill. hl in 2006.
Was die Qualität des 2008er angeht, so hat sich die Situation im Vergleich zu 2007 umgekehrt. Damals hatten die Süditaliener in Sizilien und Apulien mit heftigen Qualitätsproblemen und Ernteausfällen zu kämpfen, während sich der Norden (inklusive der Toskana) über gesunde, reife Trauben und ein ausgewogenes Aromenspiel freuen konnte. In diesem Jahr gibt es südlich von Rom strahlende Gesichter über eine gute Ernte. Im Norden sorgte ein kühler Sommer und Regenschauer dafür, dass die Rotweintrauben weniger reif wurden als im Jahre zuvor. Für die Einkäufer stehen also zwei unterschiedliche Jahrgänge auf dem Tisch, was eine reizvolle Aufgabe und Herausforderung zugleich ist.

Weiterbildung gefragt
Die Qualität muss stimmen, doch daneben ist die Emotionalität des Weines heute ein ebenso wichtiges Verkaufsargument. Folglich wächst das Angebot an Veranstaltungen, bei denen Experten des jeweiligen Gebietes über Besonderheit des Geschmackes und die Vorzüge der Weinregion referieren. „Die Besucher suchen zuallererst eine kompetente Wissensvermittlung und weniger eine medial geprägte Weinshow“, sagt Giuseppe Liberatore, Direktor des Konsortiums des Chianti Classico. Denn die Messe ist für den Italienhandel ein sehr wichtiges Informationsportal, nicht virtuell, sondern ganz real. Weiterbildung in Sachen Wein bieten seit einigen Jahren neben dem Chianti Classico-Konsortium aus der Toskana, die Region Friaul, die Bergregionen Südtirol und Trentino bzw. die Provinz Treviso mit dem allerorten bekannten Prosecco und regionalen Spezialitäten wie dem Rotwein aus der Rebsorte Raboso. Zum ersten Mal veranstaltet die Region Piemont eine Reihe von Seminaren zu ihren spannenden Herkunftsweinen.

Weinmarktordnung – Große Verwirrung
Apropos Herkunft - „Verschwinden nun die klassischen DOC-Herkünfte von der Bildfläche?“, fragen besorgt etliche Winzer. Andrea Sartori, Präsident des nationalen Verbandes Unione Italiana Vini (UIV) beruhigt: „Die Sorgen sind unbegründet, denn das Besitzstandsrecht der EU schützt alle Herkünfte.“ Dennoch herrscht viel Verwirrung, die auch durch Falschinformation noch genährt wird. Offene Fragen zu den Auslegungen der neuen Weinmarktordnung, die im August 2009 in Kraft tritt, gibt es zugegebenermaßen noch einige. Mit Hochdruck arbeitet deshalb eine vom Ministerium in Rom eingesetzte Kommission an der Beantwortung. Europaweit wird bei den traditionellen Herkünften eine Vereinheitlichung angestrebt: Aus DOC und DOCG wird dann DOP (Denominazione di Origine Protetta) und aus IGT analog IGP (Indicazione Geografica Protetta). „Den Schutz garantiert dann die europäische Gemeinschaft, jedoch sind auf nationaler Ebene neue Gesellschaften geplant, welche die Einhaltung der Produktionsvorschriften überprüfen und garantieren sollen“, sagt Giuseppe Liberatore, Vizepräsident der FederDoc-Vereinigung, des Dachverbandes der Weinherkünfte. Gerungen wird auf europäischer Ebene auch darum, welche Begriffe zu schützen sind. Ist es nur Brunello oder Brunello di Montalcino oder beides? Wäre dann ein Brunello aus Ungarn denkbar? Fragezeichen begleiten die neue Tafelweinverordnung, wo mit dem Jahrgang 2009 die Nennung der Rebsorte und des Jahrgangs erlaubt werden. Auch hier gibt es etliche Einschränkungen: Wenn die Rebsorte für eine DOP steht, wie bei der Rotweinherkunft Barbera d’Asti aus dem Piemont, dann soll die Nennung beim Tafelwein untersagt werden. Viele Fragen also, die auch für etlichen Gesprächsstoff während der ProWein 2009 sorgen werden.