11.01.2008

Frankreich präsentiert sich zur ProWein 2008

Ein gelungener Spagat


Bei allem Festhalten an der Tradition arbeiten die französischen Weinerzeuger immer mehr marktorientiert. Das Weinland Frankreich hat den Spagat zwischen der Erzeugung von klassischen, traditionellen Châteauweinen und modernen, jungen und pfiffigen Markenweinen geschafft. Weniger, besser und nachfrageorientierter zu produzieren, das ist der Weg, den Frankreich geht.

Mit 47 Millionen Hektoliter - der kleinsten Ernte seit dem durch starke Fröste gekennzeichnetem Jahr 1991 - starten die französischen Winzer in die Vermarktung des Jahrgangs 2007. Zu den wetterbedingten Ernteeinbußen von bis zu 30 Prozent je nach Region kommen, wie überall in Europa, die gestiegenen Rohstoffpreise und Transportkosten. Trotz dieser Schwierigkeiten können sich die Besucher der französischen Messestände bei der ProWein 2008 auf gute Weine zu vernünftigen Preisen freuen.

Frankreich gehört mit Spanien und Italien zu den drei größten Weinbauländern der Welt. Mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 55 Millionen Hektoliter ist Frankreich weltweit Spitzenreiter. Rund 470 AOC’s und gut 150 geschützte Herkünfte für Landweine zeigen die enorme Vielfalt der Angebotspalette. Vom kleinen Winzer bis zum internationalen Weinkonzern, sie alle sind in der Produktionsstruktur der insgesamt 144.000 Erzeugerbetriebe eingeschlossen. Rund drei Viertel der Betriebe vermarkten ihre Weine selbst. Im Jahr 2006 exportierte Frankreich 2.423.000 Hektoliter Wein im Wert von 600 Millionen Euro nach Deutschland. Damit ist Deutschland mengenmäßig der zweitwichtigste Absatzmarkt für Frankreichs Weine, nach Großbritannien und vor den USA. Im Wert liegt Deutschland an dritter Stelle: Insgesamt wurden 13,8 Millionen Hektoliter im Wert von 5,6 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert. (Quelle: Franz. Zoll/SOPEXA)

Spiegel der französischen Weinwirtschaft
Von den 3.000 Ausstellern der ProWein kommen rund 400 aus Frankreich. Sie präsentieren sich entweder mit einem eigenen Stand, bei einem der insgesamt zehn regionalen Gemeinschaftsstände oder über ihre Importeure. Gemeinschaftlich treten folgende Regionen auf (Ausstelleranzahl in Klammern): das Elsass (18), das Loiretal (44), die Region Rhône-Alpes (3), Korsika (4), Südwestfrankreich (20), Aquitanien (23), Bergerac (11), Provence (6) und das Rhônetal (32). Erstmals präsentieren sich die AOC- und Landwein-Erzeuger aus dem Languedoc und Roussillon gemeinsam. Unter dem neu gegründeten Verbandsdach „Sud de France“ stellt Frankreichs Süden mit 57 Ausstellern die größte Gruppe.

Neben vielen kleinen Betrieben und Weingütern sind natürlich auch wieder die „Big Player“ aus Frankreich zur ProWein 2008 vertreten: Allen voran die Weinriesen Les Grands Chais de France und Groupe Castel. Spezialitäten von der Loire präsentieren Ackermann-Remy Pannier oder Bouvet-Ladubay. Die wichtigsten und namhaften Weinhandelshäuser aus Bordeaux zeigen ebenfalls in Düsseldorf Flagge, zum Beispiel Grands Vins Gironde, Ginestet, oder Dourthe Kressmann. Von der Rhône sind neben einigen Négociants wie Jérôme Quiot oder Gabriel Meffre auch viele Genossenschaften vertreten, wie Cave de Cairanne, die Vignerons Ardechois oder die Kooperativen von Rasteau oder Tain l'Hermitage. Für das Burgunder-Angebot sorgen unter anderem die Genossenschaftsgruppe Blasons de Bourgogne, das Handelshaus Boisset oder Traditionshäuser wie Albert Bichot und Maison Latour. Der Südwesten ist unter anderem vertreten durch die Genossenschaften Vignerons de Buzet und Producteurs Plaimont. Aus dem Süden sind die wichtigsten Kellereien (Skalli, Bessière, Jean Jean), aber auch führende Genossenschaften (Vignobles Foncalieu, UCCOAR, Vignerons Catalans, Val d'Orbieu) vertreten. Auch die Champagnerhäuser wie zum Beispiel Laurent Perrier, Champagne de Saint Gall oder Nicolas Feuillatte sind da.

Eine erste Orientierungshilfe in der Vielfalt des französischen Angebots bietet die SOPEXA mit ihrem Gemeinschaftsstand in Halle 5 und der beliebten Verkostungszone "France 2008". Hier können Fachbesucher in aller Ruhe die 100 besten Weine aus allen Regionen Frankreichs probieren oder an den kommentierten Verkostungen teilnehmen, um danach gezielt die Aussteller ihrer Wahl am Stand zu besuchen.

Messeplatz Düsseldorf unverzichtbar
Für die französischen Aussteller ist die jährlich stattfindende ProWein eine der wichtigsten Messen überhaupt, vor allem wegen des frühen Zeitpunkts im März und der konsequenten Ausrichtung als Fachmesse. Christoph Palmowski (FOTO), Marketingdirektor der Vigneros Catalans aus dem Roussillon, findet die ProWein unverzichtbar: „Für unsere Weine haben wir hier ein ideales Forum, sei es im Fachhandelsbereich oder im Bereich Lebensmittelhandel.“ Auch Wolfgang Zuzok (FOTO) von der Düsseldorfer Vinergie, die von Anfang an dabei ist, sieht das so. Der Geschäftsführer vertritt mit Vinergie die wichtigsten französischen Genossenschaften aus dem Südwesten, der Provence, der Rhône und Burgund. „Wir haben Weine im Programm, die nicht homogen sind und vor allem den Fachhandel ansprechen. Da bietet die ProWein ein gutes Forum. Mit unserer Sortimentserweiterung Richtung LEH sind wir hier auch genau richtig. Die ProWein ist die einzige Messe, wo sich Vinergie unter eigenem Namen präsentiert und alle zugehörigen Genossenschaften gemeinsam auftreten. Selbstverständlich sind dann alle Entscheider aus Frankreich am Stand präsent.“

Die ProWein hat für Frankreichs Produzenten aber auch einen wichtigen internationalen Stellenwert. „Wir knüpfen zunehmend internationale Kontakte während der Messe“, meint Palmowski.“ Jean-Marc Poincot, Exportleiter beim Bordelaiser Weinhandelshaus GVG Grands Vins Gironde schätzt ebenfalls die internationale Ausrichtung: „Die ProWein ist der Platz, wo wir für unsere Weine genau das Kundenpotenzial finden, das wir suchen. Der Markt ist offen für gute Weine für den gehobenen Lebensmittelhandel und Fachhandel. Das gilt nicht nur für Deutschland. Zur ProWein im vergangenen Jahr kamen wir mit Importeuren aus Weißrussland in Kontakt und verkaufen jetzt auch in die Mongolei.“ Um eine internationale Marke zu lancieren und aufzubauen, ist der Messeplatz Düsseldorf unumgänglich. Davon ist Gertjan van Arkel (FOTO), Exportdirektor Europa bei Chamarré SCA überzeugt, wenn er sagt: „Mit unseren Ambitionen, die Marke Chamarée international zu positionieren, müssen wir auf den großen internationalen Messen präsent sein. Die ProWein bietet die Möglichkeit, unsere noch jungen Aktivitäten gerade in Osteuropa zu unterstützen. Neben dem deutschen Markt erreichen wir auch unser Kundenpotenzial in Skandinavien, der Schweiz und Österreich.“

Klassisches und Trendiges
Vernünftige Qualitäten zu vernünftigen Preisen und ein verbrauchergerechtes Weinangebot – das ist das Motto in der Frankreich-Halle zur ProWein 2008. Hier finden klassische Cuvées aus den verschiedenen Anbaugebieten ebenso ihren Platz wie fruchtige, leichte Weine in allen Farben. Mit den im Trend liegenden Roséweinen kann Frankreich auf der Messe bestens punkten. Frankreichs Erzeuger reagieren mit markenähnlichen Konzepten und flotten, modernen Ausstattungen auf die Bedürfnisse von Weineinsteigern. Alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine berücksichtigen den Trend zu gesundem Genuss ebenso wie das Angebot an Bioweinen oder Weinen aus integrierter Produktion, wo die Nachfrage schon mal das Angebot übersteigt.

Besucher können sich auf die ersten Weine aus neuen Appellationen freuen, wie zum Beispiel AOC Languedoc, AOC Côtes de Bordeaux oder AOC Malpère. Außerdem haben die Vins de Pays de Vignobles de France, die jetzt nach französischem Weinrecht anerkannt sind, ihren ersten offiziellen Auftritt im Rahmen der ProWein 2008. Abgerundet wird das Frankreich-Angebot durch interessante Spirituosen-Innovationen, etwa blauen Pastis oder einen Likör aus Rosen, Veilchen und Klatschmohn.


Die Autorin Brigitte Engelmann arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Weinpublikationen.