03.03.2006

Deutschland: Riesling weiter auf dem Vormarsch

Deutsche Winzer rechnen auf ProWein 2006 mit steigender Nachfrage


Die deutschen Winzer haben gut lachen. Der Weinmarkt in Deutschland hat sich 2005 trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds erfreulich entwickelt, auch die Nachfrage in Übersee um 12 Prozent und vor allem im europäischen Ausland verzeichnet gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von sechs Prozent. Deutscher Wein wird zunehmend Bestandteil einer in-ternationalen Genusskultur. Mit dem aktuellen Jahrgang 2005 sehen die deutschen Winzer gute Chancen, beim internationalen Publikum der ProWein 2006 weiter zu punkten.

Insgesamt präsentiert sich Deutschland mit über 700 Ausstellern aus den 13 Anbaugebieten auf über 16.000 Quadratmetern Netto-Ausstellungsfläche. Allein am Gemeinschaftsstand des „VDP. Die Prädikatsweingüter“ in Halle 4 werden 114 Weingüter vertreten sein, unter an-derem so renommierte Betriebe wie Dr. Heger/Baden, Rudolf Fürst und Horst Sauer aus Franken, Toni Jost-Hahnenhof/Mittelrhein, Fritz Haag/Mosel, Dr. Loosen/Mosel, Sankt Urbans-Hof/Mosel, Emrich-Schönleber/Nahe, Bassermann-Jordan/Pfalz, Ökonomierat Rebholz/Pfalz, Knipser/Pfalz, Robert Weil/Rheingau, Gunderloch/Rheinhessen, Schloss Proschwitz/Sachsen und Graf Adelmann/Württemberg.

Riesling-Rennaissance weltweit
Unbestrittenes Aushängeschild der deutschen Weinszene ist der Riesling, der nicht nur im nationalen Rebsortenspiegel mit rund 20 Prozent Anteil an der Gesamtrebfläche (zirka 102.000 Hektar) den Spitzenplatz einnimmt. „Riesling ist kein Trend mehr“, meint Philipp Wittmann vom Weingut Wittmann in Westhofen/Rheinhessen, „Riesling ist längst etablierter Spitzenwein“. Und das mittlerweile weltweit. Jochen Becker-Köhn vom Weingut Robert Weil/Rheingau sieht die Initialzündung für die steigende weltweite Nachfrage nach deutschen Rieslingen im USA-Markt. „Seit Jahren sind hier deutsche Weingüter in der Spitzengastronomie gelistet. Das schafft vor allem Image und hat damit eine nicht zu unterschätzende Au-ßenwirkung für die gesamte deutsche Weinwirtschaft“.


Der Jahrgang 2005: Ein begehrtes Gut
Steffen Christmann, stellvertretender VDP-Vorsitzender der Pfalz und Win-zer in Gimmeldingen sieht vor allem in den skandinavischen Ländern und den Benelux-Staaten interessante Märkte für die Zukunft, aber auch Spa-nien und Italien interessieren sich laut Christmann immer mehr für deutsche Weine. Dass vor allem die hohen Riesling-Qualitäten aus dem Jahrgang 2005 knapp werden könnten, diese Befürchtungen hört man immer öfter. Denn die deutschen Winzer mussten 2005 Ernte-Einbußen zwischen zehn und 40 Prozent hinnehmen. Dafür bietet der Jahrgang beste Qualität durch alle Prädikatsstufen: von einfachen erfrischenden Gutsweinen über finessenreiche Kabinett-Qualitäten und saftige, elegante Spätlesen bis zu den edelsüßen Spezialitäten. Immer mehr fokussiert sich der deutsche Qualitätsweinbau auf die Produktion der „Großen Gewächse“, die im trockenen Bereich die deutschen Spitzenweine definieren.


Aber die „neue deutsche Welle“ ist nicht ausschließlich trocken, neben den „Ersten“ und „Großen Gewächsen“ legen auch die feinherben und restsüßen Weine in der Verbrauchergunst zu. Zwar langsam, wie Oliver Haag vom Mosel-Weingut Fritz Haag in Brauneberg bestätigt, aber doch kontinuierlich. Relativ leicht im Alkohol - nicht selten um die acht Volumenprozent – bei vollem Geschmack, liegen vor allem restsüße Rieslinge in den USA und im asiatischem Raum voll im Trend. Und das nicht nur zu „Spicy-Food“. Der Wunsch nach beschwingten, geschmackvollen und dennoch leicht bekömm-lichen Weinen findet in der möglichen Vielfalt deutscher Weine den idea-len Partner. Entsprechend facettenreich ist das Angebot deutscher Weingü-ter auf der ProWein 2006.


Auch im sensiblen Bereich „Deutscher Rotwein“ wächst die Anerkennung. Paul Fürst, Winzer aus Franken und einer der renommiertesten Protagonis-ten der deutschen Rotwein-Szene, freut sich über die internationale Repu-tation: „Zum ersten Mal werden jetzt auch die hochwertigen Spätburgunder in den USA platziert, die Nachfrage für deutsche Rotweine zieht spürbar an.“ Dass es beim deutschen Rotwein viel um Eleganz, Finesse und Kraft und weniger um die geschmackliche Kopie der Gewächse aus dem Burgund geht, zeigen vor allem die Winzer von der Ahr und aus Baden, aber auch aus Franken, Württemberg und der Pfalz.