19.12.2007

Österreich: Weniger ist manchmal mehr

Österreichs Winzer sind zufrieden: Der Export von Flaschenweinen hat stark zugenommen, zur ProWein 2008 kann ein vortrefflicher Jahrgang präsentiert werden, Gebietsbezeichnungen wurden vereinfacht, die DAC-Kategorie setzt sich immer stärker durch und Bio boomt.


Österreich exportiert seit einigen Jahren immer weniger Wein ins wichtigste Empfängerland Deutschland. Dennoch wird niemand im Weinbauverband, in den regionalen Komitees oder bei der Weinmarketingservicegesellschaft in Wien unruhig. Man ist eher hochzufrieden mit den leicht schrumpfenden Mengen. Der Grund: Früher wurde hauptsächlich offene Ware im Tank nach Deutschland geliefert. Heute wollen deutsche Importeure vor allem Flaschenweine aus Austria.

Das ist ganz im Sinn der Österreicher, die vor zwei Jahren drauf und dran waren, den Export von nicht abgefülltem Wein zu verbieten, obwohl das mengenmäßig eine deutliche Einbuße bedeutet hätte. Man war stocksauer über dubiose Billigweine in den Regalen von Discountern, deren Herkunft nicht immer ganz eindeutig war. Sicher war nur, dass der Inhalt in deutschen Kellereien in die Flaschen kam. Ein Veto der EU ließ das Verbot nicht zu. Aber die österreichischen Produzenten wurden – ebenso wie die deutschen Partner im Handel - durch die unliebsamen Vorfälle doch so sensibilisiert, dass man in Folge mehr auf die 0,75-l-Flasche setzte.

Dies hatte zur Folge, dass 2006 nur noch 13 Mio. Liter offen ausgeführt wurden und die Flaschen mit 22 Mio. Liter schon fast eine Zweidrittel-Mehrheit hatten. Noch erheblich deutlicher wird der Unterschied bei den Preisen. Nach den letzten Zahlen aus 2007 erzielen die Fassweine im Export einen Durchschnittspreis von lediglich knapp 60 Cent, während die Flaschenweine bei 1,94 Euro angelangt sind. Dabei ist letztere Zahl mit Sicherheit auch falsch. Denn die umfangreichen Kleinimporte deutscher Händler werden ebenso wie die wohl gefüllten Kofferräume von Touristen statistisch nicht erfasst. Willi Klinger, seit einem Jahr Chef der Weinmarketinggesellschaft in Wien, vermutet, dass rund fünf Millionen Liter über den sog. „Kleinexport“ ausgeführt werden – zu Preisen, die deutlich über den knapp zwei Euro aus den offiziellen Angaben liegen.

Gute Voraussetzungen also für eine weitere positive Entwicklung auf dem deutschen Markt. Wie bedeutend er für Österreich ist, wird schon durch die Anmeldungen für die ProWein in Düsseldorf deutlich, die Jahr für Jahr steigen. 2008 dürften in der Österreich-Halle mehr als 250 Aussteller zu finden sein. Mit dabei ist nahezu die komplette Elite des Landes mit Namen wie Feiler-Artinger, Schloss Gobelsburg, Hirtzberger, Jurtschitsch, Knoll, Kollwentz, Kracher, Loimer, Nigl, Pfaffl, Prieler, Tement, Triebaumer und Velich. Dazu kommen eine Reihe von Erzeugern, die in den letzten Jahren den Durchbruch geschafft haben, aber nach Einschätzung von Willi Klinger in Bezug auf die teilweise sehr hohen Preise der Spitze „noch immer unterbezahlt sind.“ In diese Kategorie gehören beispielsweise das Weingut ALEXS der Familie Schreiner in Gols, Robert Goldenits aus Tadten, Toni Hartl aus Reisenberg, Markus Huber aus Reichersdorf, Franz Leth aus Fels/Wagram, Franz Prechtl aus Zellendorf und Herbert Zillinger aus Ebenthal.

Gelungener Jahrgang
Alle haben einen guten Jahrgang im Gepäck. Nachdem es in Österreich beim hervorragenden 2006er das Problem der geringen Mengen gab (vor allem die Hauptsorte Grüner Veltliner hatte große Ausfälle zu verzeichnen), kann Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes, diesmal mit strahlender Miene bilanzieren: „Wir hatten im Herbst ausgereifte, gesunde Trauben mit moderater, nicht zu hoher Zuckerkonzentration und einem guten Säuregerüst. Die gute Arbeit im Weinberg wurde mit fruchtigen Weinen belohnt, die Trinkspaß machen. Auch die Menge mit etwas mehr als 2,5 Mio. Hektoliter stimmt und liegt deutlich über dem Schnitt der letzten Jahre.“

Dabei sah es zunächst nicht so optimal aus. Die Natur bot im Jahresverlauf Frost, Hitze, Trockenheit, viel Regen, Hagel und kühle Nächte. Es kam zu einem frühen Lesebeginn oft schon im August. Als es Anfang September ausgiebige Niederschläge gab, war ein wesentlicher Teil schon abgeerntet. Was hängen blieb, kam ohne Nässeschaden davon und profitierte von einem langen, goldenen Oktober. Die letzten Trauben wurden in der ersten Novemberhälfte eingebracht, immer noch im ausgezeichneten Zustand. So gibt es wieder die ganze Bandbreite an Qualität: Von saftigen, knackigen Trinkweinen über extraktreiche Tropfen bis zu hochkarätigen Edelsüßen in Weiß. Die Rotweine werden aromaintensiv und fruchtbetont sein.

Sonnenbrand wie ihre deutschen Kollegen im Juli hatten auch die Österreicher zu verzeichnen. Aber die Schäden hielten sich in Grenzen, weil eine gezielte Laubarbeit betrieben wurde. Nur gegen den in einigen Regionen starken Hagel ließ sich nicht vorbeugen. Starke Verwüstungen gab es in der Thermenregion südlich von Wien und im Kremstal, wo allein die bedeutende Genossenschaft Winzer Krems auf die Ernte von rund 200 Hektar verzichten musste. „Aber durch Umschichtungen im Sortiment konnte und kann der Handel weiterhin mit gewohnt guter Qualität bedient werden“, meint Ludwig Holzer, der Exportleiter der Kooperative.

Neuerungen bei der Gebietsbezeichnung
Österreich wird in seinem starken Aufgebot neben bewährten Offerten auch einige Neuerungen präsentieren. So hat sich weinrechtlich etwas getan. Die Bezeichnung Donauland verschwand von der Weinlandkarte. Sie war ohnehin immer schwer greifbar, weil eine Reihe von Anbaugebieten am großen Fluss angesiedelt war. Dafür bekam die Region Wagram, früher ein Bestandteil des Gebietes zwischen Krems und Wien, ein Alleinstellungsrecht. Die vorher dazu gehörigen Flächen von Klosterneuburg in enger Nachbarschaft zur Bundeshauptstadt sind jetzt offiziell eine Großlage mit Herkunftsangabe Niederösterreich. Der Vorsitzende des Regionalkomitees, Leopold Blauensteiner aus Gösing, ist glücklich über diese Regelung: „Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass es in unserer Landschaft eine einzigartige, geologisch interessante Lössterrassen-Flur gibt, die ein idealer Untergrund für unsere Hauptsorte Grüner Veltliner ist.“

Herkunftsbezeichnung „DAC“
Beim DAC-Konzept wird zumindest vorläufig keine neue Qualitätskategorie angestrebt, sondern die bestehenden Qualitäten in ein international erfolgversprechendes und leicht verständliches Herkunftssystem gebracht. Damit fährt das früher wenig populäre Weinviertel sehr gut und konnte, wie Komitee-Chef Roman Pfaffl aus Stetten feststellt, „das Image deutlich verbessern und die Qualität der Sorte Grüner Veltliner enorm steigern“. DAC steht im vollen Wortlaut für Districtus Austriae Controllatus und in der Praxis für bestimmte Weintypen aus verschiedenen Anbaugebieten. Die Weine selbst durchlaufen eine spezielle Prüfung. Österreich folgte damit dem Beispiel anderer Länder, die ihre Weine aus bestimmten Qualitätswein-Herkünften ebenfalls mit einem Kürzel kennzeichnen (zum Beispiel AOC in Frankreich, DOC in Italien). Auch die Mittelburgenländer sind mit ihrer wichtigsten Sorte Blaufränkisch seit dem Jahrgang 2005 Mitglied im DAC-Zirkel. Das kleine Traisental südlich von Krems, hat sogar zwei Sorten (Grüner Veltliner und Riesling) für diese Gebietsklassifikation hervorgebracht. Den ersten Auftritt als DAC-Gebiet plant das Kremstal anlässlich der ProWein 2008. Die 2250 Hektar große Region mit Krems und namhaften Weinorten wie Rohrendorf, Gedersdorf, Senftenberg und Furth-Palt auf der südlichen Donauseite geht ebenfalls mit den Sorten Riesling und Grüner Veltliner ins Rennen. Wie sehr sich DAC inzwischen in den Köpfen von Genießern eingeprägt hat, macht eine Aussage von Thomas Klinger, dem Exportmanager vom Top-Weingut Bründlmayer in Langenlois deutlich: „Früher wurden wir als Nicht-Wachauer immer mit der Frage konfrontiert, warum es bei uns keinen Wein der bekannten Gebiets-Kategorie Smaragd gibt. Neuerdings lautet die Frage: Warum ist das kein DAC?“

Bio boomt
Ebenfalls auffällig bei Österreich ist der deutliche Trend zum Bio-Wein und hier wiederum zum biologisch-dynamischen Anbau. Vereinigungen wie Bioveritas gibt es schon länger. Erzeuger wie der Nikolaihof in der Wachau, der Geyerhof im Kremstal, Wimmer-Czerny und Salomon im Gebiet Wagram sowie Günther Schönberger in der Region Neusiedlersee-Hügelland genießen einen ausgezeichneten Ruf. Doch jetzt hat die Bio-Bewegung viel Rückenwind bekommen durch die Neuorientierung weiterer Top-Winzer aus verschiedenen Anbaugebieten. Dazu gehören Hans Nittnaus und Gernot Heinrich aus Gols, Josef Umathum aus Frauenkirchen, Karl Fritsch aus Kirchberg/Wagram, Fred Loimer aus Langenlois, Niki Moser aus Rohrendorf, Hannes Hirsch aus Kammern, Franz Weninger aus Horitschon und das Schlossweingut Graf Hardegg in Seefeld-Kadolz. 2009 bekommen sie nach der Umstellungsphase die offizielle Anerkennung.
Die meisten „alten Öko-Hasen“ und die frischen Bio-Dynamiker werden in Düsseldorf vertreten sein. Bio Austria, die Dachorganisation für alle derartigen Produkte in Österreich, wird unter anderem Mitglieder von Bioveritas zusammen präsentieren. Außerdem ist eine Sonderpräsentation am Stand des Weinmagazins Vinum für ausgewählte Erzeuger geplant. Man will vom derzeitigen Bio-Boom profitieren. Derzeit sind rund 1700 Hektar (3,5 Prozent der österreichischen Fläche) zertifiziert. Weinmarketingchef Willi Klinger schätzt: „In wenigen Jahren sind wir bei mindestens der doppelten Größenordnung angelangt.“

Rudolf Knoll

Der Autor ist Redakteur des europäischen Weinmagazins Vinum und hier unter anderem zuständig für Österreich. Er hat auch schon eine Reihe Bücher über das Weinland geschrieben, darunter das Standardwerk „Grüner Veltliner – eine Karriere“.